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aus (alt.)polyamory FAQ gekürzte und überarbeitete Fassung der (sehr empfehlenswerten) Website www.polyamory.at *)
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Was ist Polyamory? Polyamory bedeutet "mehr als eine/n lieben". Diese Liebe kann sich körperlich, emotionell, spirituell oder in irgendeiner Kombination hiervon manifestieren, ganz den Wünschen und Vereinbarungen der Beteiligten entsprechend. "Polyamours" wird auch als beschreibender Begriff für Personen, die grundsätzlich für mehr als eine Beziehung offen sind verwendet, selbst wenn sie im Moment nicht in mehr als einer (oder sogar in weniger als einer) leben. Die Definition ist umstritten, muss/sollte aber ziemlich umfassend sein, um die zahlreichen verschiedenen poly-Lebensweisen einzuschliessen. Hier ein Link zu einem ausführlichen Text zur Frage "Polyamory - was es ist und was es nicht ist".
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Aber ist das nicht "betrügen"? Nein. Betrügen hat etwas mit Fälschung und Täuschung, also eben Betrug zu tun. Betrügen heisst durch gezieltes Handeln den Eindruck erwecken, man sei von einer bestimmten Natur, während man eigentlich (etwas) ganz ander(e)s ist. In Bezug auf Polyamory bedeutet das, dass polyamouröse Menschen ihren tatsächlichen oder prospektiven PartnerInnen nicht erzählen, sie seien monogam, obwohl sie das nicht sind. Genausowenig lassen sie zu, dass diese Menschen auch nur annehmen knnten, sie seien monogam (ungeachtet der persönlichen Nachteile, die das mit sich bringen kann). Der Schlüssel zur Definition von Polyamory ist Offenheit, das heisst, mehrere Beziehungen mit dem Wissen und Einverständnis des/der PartnerInnen zu haben, anstatt zu Betrügen. Sehr viele Menschen haben heimliche Affären während sie in einer vorgeblich monogamen Beziehung leben. Unehrlichkeit ist mit Polyamory aber nicht vereinbar * *).
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Primaries, secondaries und Triaden: Poly-Jargon und Poly-Geometrie
Da es viele verschiedene Arten gibt, Beziehungen zu organisieren, gibt es ebensoviele verschiedene Wege, diese Arrangements zu beschreiben. Folgender Poly-Jargon hat sich im Laufe der Zeit herausgebildet.
Primary - Das Wort wird oft in hierarchischen Multipersonen-Beziehungen gebraucht, um die Person zu bezeichnen, der man am stärksten verbunden ist. Diese Verbindung kann die Form einer legalen Heirat annehmen. Da Bigamie in unseren liberalen, "hochentwickelten" Zivilisationen aber nicht legal ist, besteht die Option von zwei (oder mehreren) legal verheirateten primaries nicht * * *).
Secondary - Abgeleitet aus der Bedeutung des "Primary" eine Person, mit der man ohne die emotionellen, gesetzlichen oder wirtschaftlichen Verpflichtungen und Schwierigkeiten einer primary-Verbindung involviert ist. Viele Menschen die Polyamory leben, so auch wir, lehnen allerdings Begriffe wie "Primary" und "Secondary" und die dahinterstehenden Konzepte ab und ziehen es vor, "einen Kreis von Gleichen" zu haben.
Triade - Drei Menschen, die in unbestimmter Weise miteinander verbunden sind. Eine Form einer Triade ist eine Triangel, in der alle drei Involvierten auch mit den jeweils anderen eine Beziehung haben.
Vee (V) - Drei Menschen in einer Beziehungsform, deren "Grundlage" beziehungsweise "Angelpunkt" ("pivot point") eine/r der drei Involvierten bildet. Die beiden anderen "Ast-PartnerInnen" sind in der Regel nicht so eng verbunden.
Line Marriage - Ein Begriff aus den Werken von Robert A. Heinlein, einem amerikanischen Science Fiction-Schriftsteller, der eine Heirat meint, bei der von Zeit zu Zeit jüngere Mitglieder hinzukommen, wodurch schliesslich ein Gleichgewicht in der Population etabliert wird.
Polyfidelity - Beziehungskonstellation mit mehr als zwei Beteiligten, die die Verpflichtung eingegangen sind, die sexuellen Aktivitäten auf die Gruppe zu beschränken und keine sexuellen Aussenbeziehungen zu haben.
Quarten, Pentagramme, Sextette und mehr: Polyamory-Beziehungsformen mit mehr als drei Mitgliedern (in verschiedenartigster Ausprägung).
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Was ist mit Eifersucht? Es gibt Menschen, die einfach nicht eifersüchtig sind. Andere, auch langjährige Polyamory-Lebende, kennen Eifersucht und nehmen sie als Zeichen, dass etwas der Beschäftigung und Pflege bedarf.Eifersucht ist ganz sicher kein Beweis von Liebe (dies unterscheidet polyamory zwangsläufig von possessiver und instabiler Monogamie), genauso wenig wie ein "moralisches Scheitern". Unserer Erfahrung nach ist es ein irgendwann nicht mehr notwendiges Gefühl, sobald man den Anderen nicht als Besitz, sondern als Geschenk begriffen hat. Sich der jahrelangen Sozialisation (wer wird schon polyamourös aufgezogen?) zu entledigen ist aber oft kein einfacher Prozess ...
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Gibt es Regeln, um polyamourös zu sein? Niemand hat eine Schutzmarke oder ein Copyright, wie es gemacht werden muss oder soll. Das Beste ist seinen eigenen Weg zu finden, und wie bei den meisten Dingen: "Your Mileage May Vary" (etwa: "Ihre Einschätzung mag anders sein.")
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Wie wird entschieden wer mit wem schläft? Dies ist die wohl meistgestellte Frage in polyamory-Diskussionen überhaupt; sie lässt uns im übrigen feststellen, dass Sexualität in einem wesentlich höheren Ausmass interessiert, als die emotionellen oder intimitätsbezogenen Aspekte an Polyamory. Die Antwort ist denkbar einfach: die Entscheidung liegt bei den betroffenen Personen selbst. Es mag welche geben, die die Woche am runden Tisch aufteilen, und solche, die alle glücklich in einem grossen Bett schlafen... wieder andere lieben einander platonisch und entscheiden sich getrennt voneinander zu leben wenn es für sie angenehmer ist. Eine Lösung findet sich hier meist in der Diskussion, mit Einfühlungsvermögen und im Hinblick auf die Praktikabilität - ganz wie in der Liebe.
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Sind alle, die Polyamory leben, bisexuell? Nein. Es gibt viele polyamouröse Menschen, die sich auch zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, und noch mehr, die ausschliesslich monosexuell veranlagt sind (dh. die geschlechtlich nur entweder mit Männern oder mit Frauen verkehren, also Hetero- und Homosexuelle). Andere wieder verweigern sich gänzlich den Kriterien sexueller Orientierung bzw. Ausrichtung.
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Halten polyamory-Beziehungen? Manche halten, manche nicht, ganz so wie alle anderen Arten von Beziehungen. Einige sind schon jahrelang zusammen, besitzen Häuser, haben Kinder. Polyamory ist kein Garant für die Beständigkeit einer Beziehung, obgleich der Vorteil von geteilter Freud und geteiltem Leid - wie das Sprichwort sagt - nicht von der Hand zu weisen ist. Ausserdem laesst sich zumindest eines festhalten: die Beziehung zweier Menschen zueinander wird durch (die Liebe zu) andere(n) niemals in Frage gestellt ...
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Wie sieht es mit Verpflichtungen im Zusammenleben, Heirat und Ähnlichem aus? Gute Frage. Es gibt viele, viele unterschiedliche Ansätze; vom Zusammenleben unter einem Dach und Kommunen bis hin zu Gruppenheirat ergibt sich eine Unzahl an Möglichkeiten. Es gilt traditionelle Beziehungsmuster zu verlernen. Eines steht fest: Polyamory findet neue Wege von Beziehungen und zeichnet sich nicht dadurch aus Menschen auszutauschen wie Unterhosen.
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Was werden die Kinder denken? Martin Schafer: "Wenn Du nicht denkst, dass Du etwas Falsches tust, und wenn Du das ehrlich erklären kannst, werden sie wahrscheinlich davon ausgehen, dass es volkommen in Ordnung ist. Für einige von uns ist es ein grosser praktischer Vorteil, mehrere Personen an der Kindererziehung zu beteiligen. Einzelheiten hierzu sind dann ein fruchtbares Thema für Diskussionen unter allen Beteiligten."
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Wie erkläre ich Polyamory meinem Umfeld? Es gibt keinen Grund, sich zu erklären, oder jemandem zu antworten. Gefühle erfordern keine Rechtfertigung, und es ist ein Fehler zu versuchen, sie in Einklang mit sozialer Klassifikation zu bringen, denn die Klassifikation passt möglicherweise nicht. Wenn andere das verstehen wollen, versucht man ihnen am besten in grundlegenden Begriffen zu erklären, was man fühlt, und dass man glücklich ist.
So kann man zB. mit spezifischen Fragen umgehen: "Triffst Du Dich mit meiner Tochter oder dieser anderen Frau?" Ich treffe mich mit beiden. "Also betrügst Du sie?" Nein. Beide wissen es; wir sind alle Freunde und glücklich so. "Gut, welche liebst Du?" Ich liebe beide. "Welche liebst Du mehr?" Ich verstehe die Frage nicht. Sie sind verschiedene Menschen. Wie soll man das quantifizieren? "Warum verpflichtest Du Dich nicht einer von beiden?" Warum kann ich mich nicht beiden verpflichten? Man muss sich nicht verbiegen, um sich in mono-Begriffen auszudrücken. Man kann eigene, neue Begriffe schaffen wie man eigene, neue Beziehungsformen schaffen kann.
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Anmerkungen
*)Diese Übersetzung basiert im Kern auf dem alt.polymory usenet-faq. Sie wurde übernommen von der Website www.polamory.at. Die Übersetzer von polyamory.at fügten ihrem Text folgenden Hinweis hinzu: “Wir haben uns aber, ganz im Sinne der Frage der "Regeln" von poly, erlaubt, ihn in unserem Sinne zu überarbeiten. Auch kann eine Übersetzung nie exakt sein; in diesem Sinne verzichten wir auf den unmöglich zu haltenden Anspruch von "Objektivität", sondern spiegeln auch unsere persönlichen Meinungen und Erfahrungen wieder.” - zurück -
**) Anmerkung der Übersetzer von www.polyamory.at: “In dieser Hinsicht empfehlen wir auch die Lektüre "Radical Honesty". - zurück -
***) Anmerkung der Übersetzer von www.polyamory.at: “Grundsätzlich erlauben wir uns diesbezüglich aber die Frage zu stellen, warum man an antiquierten Beziehungsformen wie "Ehe" überhaupt festhalten muss.” - zurück -
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