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Natürlich beantwortet das alles noch nicht die Fragen, in welchen konkreten Schritten revolutionärer oder evolutionärer Form die ungerechte kapitalistische Weltordnung überwunden werden kann. Diese Fragen bedürfen im Zeitalter der kapitalistischen Globalisierung auch einer weltweiten Antwort unter Beteiligung sehr vieler Menschen, idealerweise der Mehrheit der Weltbevölkerung. Wir können und wollen aber nicht warten mit konkreten Schritten zur Umgestaltung des Alltagslebens, bis eine weltweite politische Bewegung sich abzeichnet, so sehr wir das auch wünschen. Ein guter Leitsatz der Ökologiebewegung ist der Terminus: "Global denken, lokal handeln". Das eine geht nicht ohne das andere. In diesem Zusammenhang sehen wir das Projekt Nemetien. Wir legen die Grundsteine für eine Zukunftsgesellschaft, als Modelle und als konkret gewordene Utopien. Viele Gemeinschaften haben ideelle Konzepte, die durchaus als reaktionär bezeichnet werden können. Wie soll von dieser Bewegung der Impuls zur Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft ausgehen? Die sich entfaltende Gemeinschaftsbewegung wird unter Umständen nicht der politische Vorkämpfer der kapitalistischen Gesellschaft sein. Dies können nur die zu politischem Bewußtsein gelangten produktiven Arbeiter der Welt sein, vor allem in den Bereichen der Industrieproduktion und der Informations-technologie. Die Gemeinschaftsbewegung kann aber für eine Zukunftsgesellschaft leisten, die Methoden und Prinzipien zu entwickeln, die für funktionierende kommunitäre Gesellschaften nötig sind. Sie sind ein weiträumiges Experimentierfeld, wo sich zwangsläufig traditionelle ("reaktionäre") und innovative Konzepte mischen und begegnen. Nicht alles, was traditionell ist, muß deshalb schlecht sein. Oft wird von gewissen politischen Sekten den Gemeinschaften angekreidet, daß sie sich mit spirituellen Themen auseinandersetzen, was per se reaktionär sein soll ("Religion ist Opium fürs Volk"). Es ist jedoch aber gerade eine Entdeckung der Gemeinschaftsbewegung, daß Spiritualität eine soziale (d.h. gemeinschaftsbezogene) Funktion ist. Für die kirchlich organisierte Religion gleich welcher Spielart mag es der Fall sein, daß sie im wesentlichen systemstabilisierende Funktion hat, und im kapitalistischen System bedeutet das eben: den Kapitalismus stabilisierend. Aber auch kommunitäre Gemeinschaften stellen kleine Systeme dar, und die gemeinschaftsstabilisierende Wirkung von Spiritualität ist hier auch spürbar. Systemstabilisierende Funktion von Spiritualität, das stimmt also im wesentlichen, aber es kommt eben darauf an, was für ein System stabilisiert wird. Und wenn ein kommunitäres System (eine Gemeinschaft) sich durch Spiritualität stabilisiert, so ist aus meiner Sicht nichts dagegen einzuwenden. Isolierte politische Sekten lieben Schwarzweiß Denken und so ist es nicht verwunderlich, daß für sie Spiritualität = Religion = prokapitalistisch = schlecht ist. Ihnen fehlt jedoch zum einen der historische Überblick und zum anderen der vorurteilsfreie analytische Verstand (vom erfahrenen Erleben ganz zu schweigen). Auch die klassenlosen "urkommunistischen" Gentilgesellschaften waren spirituell geprägt, entwickelten Riten und Kultur. Es ist letztlich spätkapitalistische Arroganz zu glauben, die Menschen der präantiken Stammeskulturen hätten aus lauter Blödheit heilige Orte eingerichtet und Kräfte der Natur verehrt. Es handelte sich schlichtweg um eine andere Art der Interaktion des Menschen mit der Natur. Dies führte auch teilweise dazu, daß die Kräfte der Natur personifiziert wurden (Götter), ungewohnt für uns, die wir mit dem Leitbild einer nicht greifbaren, unsichtbaren göttlichen Supermacht (christliches Gottesbild) religiös erzogen wurden. Jedenfalls war das ein anderes Verhältnis zur Natur, speziell zur belebten Natur, als der kapitalistische Drang, die Erde und ihre Ressourcen auszubeuten und letztlich zu zerstören, was letztlich ein Nachhall des biblischen Wahns ist: "Macht euch die Erde untertan". Nach unseren heutigen Erkenntnissen hatten die präantiken und antiken Kulturen alle entwickelte spirituelle Ebenen, die gleichwohl nicht durch Dogmen und Buchreligionen geprägt waren, sondern durch Kreativität, Erleben und Intuition (keine festgelegten Götterbilder, oft noch nicht einmal das, sondern philosophisch hochstehende Konzepte wie der frühe Taoismus oder der Buddhismus). Zurück zu den politischen Sekten, die der Gemeinschaftsbewegung vorhalten, spirituelle Kultur zu entwickeln und überhaupt reaktionär zu sein. "Reaktionär" ist hier meist ein anderer Begriff für "nicht linientreu" gemessen an dem kleinlichen politischen und weltanschaulichen Horizont, den diese Gruppen meist haben. Der Begriff "reaktionär" umschreibt als wissenschaftlich-historischer Begriff eigentlich nur Beharrungskräfte einer überalterten Gesellschaftsordnung (man denke an den Fürsten Metternich, der mit Soldaten und Standrecht meinte, die Entwicklung der Demokratie aufhalten zu können). Die Gemeinschaften insgesamt stellen jedoch im Rahmen der krisenhaften spätkapitalistischen Kultur mit ihren zerbrechenden Sozialstrukturen eine innovative Herausforderung dar, egal auf welche Ideen und Konzepte der Vergangenheit sie experimentell zurückgreifen, sie sind kulturell revolutionär, weil sie nicht nur propagieren, sondern beweisen: "eine andere Welt ist möglich!". |
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