Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Text des Drachentempels: Die acht Künste

Von Dragon und Gryphon 1993, in der NHZ erschienen in Nr.4, Okt. 2002. Der Drachentempel ist in gewissem Sinne ein Vorläufer der nemetischen Bewegung

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1. Schule deine Liebesfähigkeit!

Die Kunst der Liebe ist eine hohe Kunst. Die Liebe ist eine Kraft, die stets vom Liebenden ausgeht und nicht vom Geliebten. Ideal ist daher, wenn Liebe auf Gegenliebe stößt, was jedoch gar zu oft nicht der Fall ist. Die Liebesfähigkeit schulen heißt daher, sich der uns innewohnenden Kraft bewußt zu sein, sie zu fördern und zu pflegen. Selbstsucht ist der Feind der Liebe und sorgt oft für den Umschlag von Liebe in Haß. Erfolgreich zu lieben heißt erfolgreich zu wirken. Wahre Liebe ist nicht die, auf die man wartet, sondern die, die man wirklich lebt. Wer oder was auch immer von dir geliebt wird, deine Liebe sollte ein Gewinner-Gewinner-Spiel sein. Vorgebliche Liebe, die nur die Lebensenergien anderer anlockt, um sie zu vergeuden, ist verderblich.

2. Schule deine Kampffähigkeit!

Die Schule der Kampfkunst ist eine hohe Kunst. Wo es widerstreitende Interessen gibt, da gibt es auch Kampf. Es ist das Ziel des Weisen, den Kampf in einer würdigen Weise zu führen. Ziel eines Kampfes ist der Sieg, doch es gibt verschiedene Stufen des Sieges. Der höchste, glänzenste Sieg besteht darin, daß der Feind zum Freund wird. Doch nur den höchsten Meistern ist diese Kunst zueigen.

3. Schule deine Organisationsfähigkeit!

Die Zivilisation, in der wir leben, mit all ihren Vorteilen und Nachteilen, ist das Produkt menschlicher Kooperation. Ohne Kooperation mit seinesgleichen ist der Mensch zu fast nichts in der Lage, jedes Tier ist ihm überlegen. Von daher ist die Kunst der Organisation eine hohe Kunst. Sie besteht in der Fertigkeit, Gruppen und Organisationen zu inspirieren und zu führen. Die Kunst der Führung erlernen zu wollen heißt nicht, sich über andere zu stellen, so wie auch Führung nicht heißt, andere zu dominieren und zu Statisten des Gruppenprozesses zu machen. Führen heißt dem Gesamten Dienen.

4. Schule deine Kommunikationsfähigkeit!

Gemeinschaftsbildung hat Vertrauen zur Voraussetzung. Ohne Vertrauen gibt es keine dauerhafte Gemeinschaft. Je stärker und je umfassender das gegenseitige Vertrauen, desto fester und unzerstörbarer die Gemeinschaft.
Doch Vertrauen hat auch seine Voraussetzungen. Die wichtigsten Voraussetzungen für Vertrauens sind Transparenz, Durchsichtigkeit und Berechnenbarkeit. Vertrauenswürdig ist für seine Mitmenschen nur, wer für diese Mitmenschen verläßlich, durchsichtig und berechenbar ist. Und Transparenz beginnt immer bei jeder und jedem selbst. Seine eigenen Ziele und Motive den anderen zu offenbaren, das ist der erste Schritt zur Transparenz. Und die anderen zu ermuntern, ihre eigenen Ziele und Motive ohne Angst zu offenbaren, das ist der zweite Schritt zur Transparenz. Und die Ziele und Motive der anderen ernstzunehmen und auf sie einzugehen, das ist der dritte Schritt. Das sind die Bedingungen für die Steigerung der Kommunikationsfähigkeit.

5. Schule dein Charisma!

Wer Segensreiches bewirken will, der braucht auch Wirkkraft, Ausstrahlung, man sagt auch Charisma dazu oder Ausstrahlung. Charisma ist die Gesamtheit deiner Wirkung auf andere Menschen und auf deine Umwelt.
Schule dein Charisma so, daß es wohltuend, motivierend und aufmunternd auf andere wirkt. Vermeide Gefallsucht und Selbstsucht, sondern werde für andere zur Leitfigur für edle, schöne Wünsche und Visionen. Charismatisch ist, wer anderen Menschen zu Charisma verhilft.

6. Schule deine Glücksfähigkeit!

Der Mensch lebt, um glücklich zu sein. Selbst wenn er einer Pflicht folgt,. So folgt er ihr in der Erwartung, daß die Pflichterfüllung ihn glücklich macht. Und doch bezeichnen sich die wenigsten Menschen als glücklich. Das Glück ist nämlich eine hohe Kunst. Glück ist unteilbar. Die Vorstellung, daß ein Mensch für sich allein glücklich sein könnte, ist irrig und verhängnisvoll. Glück ist eine soziale Funktion. Gleichfalls irrig ist die Annahme, daß bestimmte materielle Bedingungen gegeben sein müssen, um glücklich zu werden. Glück ist ein Prozeß, eine Wechselwirkung des Individuums mit dem Kosmos. Zum Glück muß man fähig sein. Die Fähigkeit läßt sich erlernen.
Es mag manchmal reizvoll sein, in allen Dingen und Ereignisssen, im Verhalten von Menschen und in dem Schicksal, das dir zustößt, immer das Schlechte und Negative zu sehen. Pessimisten werden selten enttäuscht, so sagt man. Natürlich ist auch umgekehrt der Weg verhängnisvoll. in allem nur das Schöne und Angenehme sehen zu wollen und sich mit dem Zerstörerischen, Negativen nicht zu beschäftigen.
Wir wirken auch durch unsere Erwartungen und Gedanken stets auf die Realität, auf den Kosmos. Düstere Prophezeiungen, dunkle Befürchtungen, schlechte Vorstellungen haben die Tendenz, in die Wirklichkeit zu treten. Positive Visionen von den Dingen zu entwickeln und zu kultivieren ist daher eine sehr wichtige Grundübung des Tao des Glücks.
Doch selbst aufrichtige und intensive positive Visionen stoßen auf die Hindernisse, die uns das Leben in den Weg stellt. Sie zu übersehen ist das Tao des Unglücks. Wichtige Grundübung des Tao des Glücks ist daher, bei allen positiven Visionen auch die hinderlichen, negativen Faktoren zu sehen, die uns die Realität in den Weg stellt. Sie zu überwinden und in unserem Charakter daran zu wachsen, das ist das Tao des Glücks. So heißt es auch im I Ching immer wieder: "Fördernd ist Beharrlichkeit!"

7. Schule deine Kunstfertigkeit!

Die Welt kreativ zu verändern und zu kultivieren, Gestaltungswillen verwirklichen, das ist Kunst. Nur einfältige Gemüter meinen, daß künstlerische Aktivität nur sogenannten Künstlern vorbehalten werden. Jeder Mensch trägt einen Künstler in sich. Die Kunst der Gestaltung ist daher eine hohe Kunst. Übe sie in mannigfaltigen kleinen und großen Dingen! Zu den großen Dingen gehört auch die Spritualität.
Fühle dich frei, deine Spiritualität kreativ zu entwickeln! Suche nicht nach dem "richtigen" Gottesbild, sondern entwickle dein eigenes! Suche und finde deinen Weg zur Großen Göttin, deinen Weg zum gehörnten Gott.

8. Schule dein Selbstbewußtsein und dein Selbstvertrauen!

Selbstbewußtsein zu haben bedeutet eigentlich, sich seiner selbst bewußt sein. Wer ist das schon von den vielen, denen man ein "großes Selbstbewußtsein" nachsagt? Selbstvertrauen zu haben bedeutet, sich selbst zu vertrauen. Um jemanden zu vertrauen, sollte man ihn schon kennen. Differenzierte Persönlichkeiten sind vielfältig, nicht einfältig. Aber oft haben sie es nicht leicht, ihre eigenen vielen Seiten und Aspekte in Einklang zu bringen. Gelingt es aber, sich selbst zu integrieren, so kann man sich auch kennenlernen und sich selbst vertrauen.
Um Selbstbewußtsein zu erlangen, übe dich in folgenden Techniken:

Erkenne Gewinn (Heil). Wenn man in Worten und Handlungen das Rechte trifft, so heißt das Gewinn und man hat Heil. Wenn man nicht das Rechte trifft, so heißt es Verlust.
Kleinere Abweichungen vom Rechten heißen Unvollkommenheiten. Wenn man das rechte nicht weiß und aus Versehen das Unrechte tut, ist das ein Fehler. Wenn man die Fehler bemerkt und sie gutmachen möchte, so heißt das Reue.
Wenn man seine Fehler nicht bemerkt und sie nicht gutmachen kann oder möchte, obwohl es die Möglichkeit gibt, so heißt das Beschämung.
Kein Makel bedeutet, daß man imstande ist, seine Fehler auf die rechte Weise auszubessern.

 

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Stand: 02. Mai 2006