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Historisch ist der Stamm eine soziale Struktur, die über Jahrtausende und Jahrzehntausende hinweg das Leben der Menschen strukturierte und Identität definierte. Der historische Stamm ist eine Gemeinschaft aus Sippenverbänden, sogenannten Gentes. Im übertragenen Sinne wird der Begriff Stamm immer wieder für treue, verbindliche Identifikationsgemeinschaften verwendet. So bezeichnen sich Pfadfinderverbände und bündische Gliederungen gern als Stamm. Auch in der Internet Gemeinde wird von sogenannten Tribes gesprochen. Viele Menschen sind sich einig, daß mit dem Verlust der Stammes Struktur der Menschheit eine wichtige Struktur verlorengegangen ist. Immer wieder kommt es zu sozusagen unbewußten Stammesbildungen etwa in Form sogenannter Fandoms, Fan Clubs, Subkulturen etc. Es fehlt an tragfähigen, allgemein
anerkannten Begriffen, die den neuen Typus Gemeinschaft umschreiben könnte, der im
Entstehen begriffen ist. Konstanten sind: Stammesbildung als Organisationsprozeß und Gemeinschaftsbildungs - Prozeß Gemeinschaftsbildungs heißt Stammesbildung, mithin
also Ausbildung einer gemeinsamen Identität, auf der die Gemeinschaft, der Stamm eine
tragfähige ideelle Basis erhält. Es ist hier sinnvollerweise zwischen der Ebene
Organisation und der Ebene Identitätsgemeinschaft zu unterscheiden. Organisationen haben
eine rationale Struktur und rationale Ziele. Gemeinschaften haben emotionale Strukturen
und emotionale Symbole und Identifikationsmerkmale. Beide Ebenen sind zur Stammesbildung
notwendig, wo eine Ebene wegfällt oder vernachlässigt wird, zerfällt der
Gruppenzusammenhang schnell. Also: Stammesbildung heißt für eine Initiativgruppe Nicht zufällig haben sich die bekanntesten Gemeinschaften der neueren Zeit um sogenannte charismatische Persönlichkeiten herum gebildet, so etwa bei Findhorn, Auroville, ZEGG, Stamm Füssen, Tamera, aber auch bei der ehemaligen AAO. Für viele war das ein Ansatzpunkt von "Kritik", die aber meist an der Sache vorbei ging. Es handelt sich bei kollektiven Identitätsfindungsprozessen im wesentlichen um emotionale Prozesse, über deren Natur oft wenig Klarheit besteht. Natürlich kristallisiert sich der Identitätsfindungsprozeß eines Stammes am einfachsten um eine charismatische Person herum, die die ideelle Gesamtheit des Stammes am besten repräsentiert. Trotzdem bin ich davon überzeugt, daß es auch ohne besondere charismatische Einzelpersönlichkeiten geht, wenn den emotionalen Prozessen in der Stammesbildung von allen Beteiligten genügend Rechnung getragen wird. Und hier ist zu sagen, daß emotionale Prozesse sich nicht um abstrakte Begriffe, sondern um Symbole und Bilder herum kristallisieren. Diese Prozesse lassen sich aber sehr wohl auch gemeinsam bewußt gestalten und benötigen nicht unbedingt eine charismatische Zentralfigur. Je mehr daran teilhaben und teilnehmen, um so besser. |
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