Im Herbst 2002, 25 Jahre nach dem
"Deutschen Herbst" schwor Bundeskanzler Gerhard Schröder zum zweiten Mal den
Amtseid, dass er "Schaden vom deutschen Volk abwenden" würde... usw. und das
wohlgemerkt ohne die religiöse Zusatzformel "...so wahr mir Gott helfe." Was
schließen wir daraus? Dass Schröder sein Amt ohne die Inanspruchnahme göttlicher Hilfe
durch den monotheistischen christlich-jüdisch-islamischen Macho-Gott auszuüben gedenkt?
Ist er Atheist? Ist er Heide? Was hätte wohl das auflagenstärkste Boulevardblatt
geschrieben wenn er oder einer seiner Minister den Eid mit dem Zusatz geschworen hätte
...so wahr mir die "Göttin" hilft oder ... so wahr mir die "Götter"
helfen?
Nein, so weit sind wir noch nicht.
Schließlich wird Schröder beim nächsten Kirchentag auch seine Propagandalügen unter
die Gläubigen bringen, bei der nächstbesten Bischofsweihe in der ersten Reihe sitzen,
und dem "Heiligen Vater" in Rom seine medieninszenierte Aufwartung machen
wollen. Schließlich sorgen die beiden großen Kirchen doch dafür, dass die
Gläubigenschar brav der weltlichen Obrigkeit untertan ist, die Wahllügen gleichmütig
hinnimmt, also auch noch "die andere Backe hinhält", und sich der Unmut über
den staatlichen Zugriff auf die Geldschatullen der Bürger in Grenzen hält. Und falls die
Aufmüpfigen unter dem Volk schon unbedingt demonstrieren wollen, dann bitteschön
"friedlich" und möglichst für "den Frieden", und nur wenn der DGB
auch mitmacht.
Dafür dürfen die staatlich
entlohnten purpur- und schwarzgewandeten Würdenträger in der Besoldungsgruppe B12
(Ministergehalt) dann auch bei allen offiziellen Anlässen protokollarisch in der ersten
Reihe sitzen, wo sie dann mit gefalteten Händen und virtuellem Heiligenschein in die
Fernsehkameras grinsen. Staatlich besoldete Finanzbeamten treiben für sie die kirchlichen
Zwangsabgaben bei den Gläubigen oder deren Ehepartnern ein. Zweistellige
Milliardenbeträge aus dem allgemeinen Steuertopf kommen jährlich noch hinzu, ungeachtet
von Haushaltslöchern und Einsparungen im Sozialbereich. Und sollte mal das Kirchendach
repariert werden müssen und der Klingelbeutel reicht nicht aus, bezahlt die Kommune eben
mal den Rest. Schließlich gehen auch die Gemeinderäte wenigstens zu Konfirmationen,
Taufen oder Hochzeiten zur Kirche.
Dass wir heute von der im Grundgesetz
vorgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat (Thron und Altar) weiter denn je entfernt
sind, steht im eklatanten Widerspruch zu der Tatsache, dass mehr Bürger denn je zuvor den
Kirchen den Rücken gekehrt haben und nur wenige der verbliebenen Kirchensteuerzahler sich
als aktive oder gläubige Christen bezeichnen mögen. Der scheinbare Widerspruch ist in
Wirklichkeit gar keiner. Die Macht der institutionellen Kirchen ergibt sich nicht aus der
Menge ihrer Anhänger oder deren Aktivität, sondern aus ihrem besonderen Status als
"Körperschaft öffentlichen Rechts" (K.d.ö.R.) und der daraus abgeleiteten
Ansprüche. Dieser anachronistische und längst überfällige Status verhilft den
Großkirchen zu staatlich finanziertem Wohlstand, zu Mitsprache in
Rundfunk-Aufsichtsräten, zu frühkindlicher religiöser Indoktrination in Kindergärten
und Schulen, zu staatlich finanzierten theologischen Fakultäten, zu Steuerfreiheit für
kirchliches Eigentum, Befreiung von der Kapitalertragssteuer usw..
Die den Kirchen unterstellte
Gemeinnützigkeit ist, da die Leistungen der Kirchen ja nicht allen Bürgern zugute
kommen, schlichtweg ein Treppenwitz der Geschichte. Als Relikt des "Dritten
Reiches" wurde das Konkordat des "Deutschen Reiches" mit dem Vatikan, das
der Erzkatholik von Papen in Hitlers Auftrag mit dem päpstlichen Nuntius und späteren
Papst Pius XII, Pacelli aushandelte, vom Katholik Adenauer unverändert für die
"Bundesrepublik Deutschland" übernommen. Dass die evangelischen Landeskirchen
(und der Zentralrat der Juden in Deutschland) da nicht zurückstehen mochten, war
ausgemachte Sache. Kein Wunder, dass nun auch kleinere Kirchen und Religionsgemeinschaften
dafür kämpfen, ebenfalls diesen begehrten Status (K.d.ö.R.) zu erhalten um an die
begehrten "Fleischtöpfe" zu gelangen um ihren Teil vom Kuchen abzubekommen.
Dieser verfassungsrechtlich zumindest
bedenkliche Status (K.d.ö.R.) der Kirchen führt zu der absurden Situation, dass die
Kirchen eigentlich gar keine Mitglieder bräuchten um ihre Macht zu sichern, ja sie
könnten völlig ohne Mitglieder, ohne Pfarrer, ohne Kirchengebäude usw. ihren
Machtanspruch und den damit verbundenen Geldsegen weiterhin geltend machen.
Nichts, nicht mal den
"Teufel", fürchten die Pfaffen daher mehr als die Reduzierung der Kirchen zu
reinen Glaubensgemeinschaften. Nun beten, predigen und Messe lesen könnten sie trotzdem,
oder nicht? Pfaffen mögen nun mal keine Sektenführer, nicht mal in sich selbst. Oder
können Sie sich vorstellen wie ein Kardinal Lehmann, statt mahnend den Zeigefinger in die
öffentlich- rechtlichen Fernsehkameras zu halten, mit einer Agitationstruppe übers Land
zieht um das "Evangelium" zu verkünden?
Wie hält es also unser angeblich
säkularer Staat mit der im Grundgesetz verankerten Trennung von Kirche und Staat?
Verhält er sich neutral? Nein! Beispiele gefällig?