Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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...so wahr mir Gott helfe!

 

Von Prometeus, abgedruckt in der NHZ Nr.7

Im Herbst 2002, 25 Jahre nach dem "Deutschen Herbst" schwor Bundeskanzler Gerhard Schröder zum zweiten Mal den Amtseid, dass er "Schaden vom deutschen Volk abwenden" würde... usw. und das wohlgemerkt ohne die religiöse Zusatzformel "...so wahr mir Gott helfe." Was schließen wir daraus? Dass Schröder sein Amt ohne die Inanspruchnahme göttlicher Hilfe durch den monotheistischen christlich-jüdisch-islamischen Macho-Gott auszuüben gedenkt? Ist er Atheist? Ist er Heide? Was hätte wohl das auflagenstärkste Boulevardblatt geschrieben wenn er oder einer seiner Minister den Eid mit dem Zusatz geschworen hätte ...so wahr mir die "Göttin" hilft oder ... so wahr mir die "Götter" helfen?

Nein, so weit sind wir noch nicht. Schließlich wird Schröder beim nächsten Kirchentag auch seine Propagandalügen unter die Gläubigen bringen, bei der nächstbesten Bischofsweihe in der ersten Reihe sitzen, und dem "Heiligen Vater" in Rom seine medieninszenierte Aufwartung machen wollen. Schließlich sorgen die beiden großen Kirchen doch dafür, dass die Gläubigenschar brav der weltlichen Obrigkeit untertan ist, die Wahllügen gleichmütig hinnimmt, also auch noch "die andere Backe hinhält", und sich der Unmut über den staatlichen Zugriff auf die Geldschatullen der Bürger in Grenzen hält. Und falls die Aufmüpfigen unter dem Volk schon unbedingt demonstrieren wollen, dann bitteschön "friedlich" und möglichst für "den Frieden", und nur wenn der DGB auch mitmacht.

Dafür dürfen die staatlich entlohnten purpur- und schwarzgewandeten Würdenträger in der Besoldungsgruppe B12 (Ministergehalt) dann auch bei allen offiziellen Anlässen protokollarisch in der ersten Reihe sitzen, wo sie dann mit gefalteten Händen und virtuellem Heiligenschein in die Fernsehkameras grinsen. Staatlich besoldete Finanzbeamten treiben für sie die kirchlichen Zwangsabgaben bei den Gläubigen oder deren Ehepartnern ein. Zweistellige Milliardenbeträge aus dem allgemeinen Steuertopf kommen jährlich noch hinzu, ungeachtet von Haushaltslöchern und Einsparungen im Sozialbereich. Und sollte mal das Kirchendach repariert werden müssen und der Klingelbeutel reicht nicht aus, bezahlt die Kommune eben mal den Rest. Schließlich gehen auch die Gemeinderäte wenigstens zu Konfirmationen, Taufen oder Hochzeiten zur Kirche.

Dass wir heute von der im Grundgesetz vorgeschriebenen Trennung von Kirche und Staat (Thron und Altar) weiter denn je entfernt sind, steht im eklatanten Widerspruch zu der Tatsache, dass mehr Bürger denn je zuvor den Kirchen den Rücken gekehrt haben und nur wenige der verbliebenen Kirchensteuerzahler sich als aktive oder gläubige Christen bezeichnen mögen. Der scheinbare Widerspruch ist in Wirklichkeit gar keiner. Die Macht der institutionellen Kirchen ergibt sich nicht aus der Menge ihrer Anhänger oder deren Aktivität, sondern aus ihrem besonderen Status als "Körperschaft öffentlichen Rechts" (K.d.ö.R.) und der daraus abgeleiteten Ansprüche. Dieser anachronistische und längst überfällige Status verhilft den Großkirchen zu staatlich finanziertem Wohlstand, zu Mitsprache in Rundfunk-Aufsichtsräten, zu frühkindlicher religiöser Indoktrination in Kindergärten und Schulen, zu staatlich finanzierten theologischen Fakultäten, zu Steuerfreiheit für kirchliches Eigentum, Befreiung von der Kapitalertragssteuer usw..

Die den Kirchen unterstellte Gemeinnützigkeit ist, da die Leistungen der Kirchen ja nicht allen Bürgern zugute kommen, schlichtweg ein Treppenwitz der Geschichte. Als Relikt des "Dritten Reiches" wurde das Konkordat des "Deutschen Reiches" mit dem Vatikan, das der Erzkatholik von Papen in Hitlers Auftrag mit dem päpstlichen Nuntius und späteren Papst Pius XII, Pacelli aushandelte, vom Katholik Adenauer unverändert für die "Bundesrepublik Deutschland" übernommen. Dass die evangelischen Landeskirchen (und der Zentralrat der Juden in Deutschland) da nicht zurückstehen mochten, war ausgemachte Sache. Kein Wunder, dass nun auch kleinere Kirchen und Religionsgemeinschaften dafür kämpfen, ebenfalls diesen begehrten Status (K.d.ö.R.) zu erhalten um an die begehrten "Fleischtöpfe" zu gelangen um ihren Teil vom Kuchen abzubekommen.

Dieser verfassungsrechtlich zumindest bedenkliche Status (K.d.ö.R.) der Kirchen führt zu der absurden Situation, dass die Kirchen eigentlich gar keine Mitglieder bräuchten um ihre Macht zu sichern, ja sie könnten völlig ohne Mitglieder, ohne Pfarrer, ohne Kirchengebäude usw. ihren Machtanspruch und den damit verbundenen Geldsegen weiterhin geltend machen.

Nichts, nicht mal den "Teufel", fürchten die Pfaffen daher mehr als die Reduzierung der Kirchen zu reinen Glaubensgemeinschaften. Nun beten, predigen und Messe lesen könnten sie trotzdem, oder nicht? Pfaffen mögen nun mal keine Sektenführer, nicht mal in sich selbst. Oder können Sie sich vorstellen wie ein Kardinal Lehmann, statt mahnend den Zeigefinger in die öffentlich- rechtlichen Fernsehkameras zu halten, mit einer Agitationstruppe übers Land zieht um das "Evangelium" zu verkünden?

Wie hält es also unser angeblich säkularer Staat mit der im Grundgesetz verankerten Trennung von Kirche und Staat? Verhält er sich neutral? Nein! Beispiele gefällig?

Neben unzähligen bereits existierender Gedenkstätten wurde nun in Berlin die "zentrale Holocaust- Gedenkstätte" in Betrieb genommen. Diese erinnert ausschließlich an die im nationalsozialistischen Deutschland vernichteten Juden. Sie erinnert nicht an andere Opfer der NS- Diktatur. Sie erinnert auch nicht an die Juden, die christlich motivierten Pogromen zum Opfer fielen.
Im Zuge der Wiedervereinigung wurden alle in der Nachkriegszeit enteigneten Kirchen, Pfarrhäuser, Klöster und sonstiger kirchlicher Grundbesitz zurückübereignet. Aber kein einziger der im Zuge der Zwangschristianisierung beschlagnahmten heidnischen Heiligtümer und "Haine" wurde je wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zugeführt. Was würde es denn schon ausmachen, ein paar nutzlose "Michaeliskapellen", die meist auf diesen Plätzen stehen, abzureißen oder zu sprengen. Kirchen gibt es dann immer noch weit mehr als genug.
In manchen Bundesländern werden Schülern, die dem Religionsunterricht fernbleiben, Ethikunterricht erteilt. Diese wird von Religionslehrern erteilt um den Schülern die abendländisch- christliche Ethik zu vermitteln. Diese Diskriminierung nichtchristlicher Schüler als ethisch nachhilfebedürftig ist angesichts der historischen Gräueltaten im Namen Gottes und politischer Unterstützung faschistischer Diktatoren sowie waffensegnenden Militärgeistlichen wohl nicht hinnehmbar.
Halbstaatliche und kirchliche Sektenexperten warnen in harmonischer Eintracht vor angeblicher Gefährdung Jugendlicher durch Sekten, "New- Age"- Kulte und Esoterik. Keiner dieser "Fachleute" hat je vor "Opus Dei" oder "charismatischen Christen" gewarnt, obwohl das Gefährdungspotential mindestens vergleichbar groß sein dürfte.

Wir fordern daher:

Abschaffung des Status " Körperschaft des öffentlichen Rechts"
Kein dogmatischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen
Beendigung der staatlichen Alimentierung von Glaubensgemeinschaften
Schluss mit kirchlichen Steuerprivilegien
Kein Kirchensteuereinzug durch staatliche Organe
Gleichbehandlung aller Glaubensgemeinschaften (und aller Nichtgläubigen) durch den Staat
Regelmäßige Überprüfung aller Glaubensgemeinschaften auf verfassungsfeindliche Aktivitäten
Rückgabe aller unrechtmäßig angeeigneten Besitztümer der Kirchen und kirchlicher Einrichtungen

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Stand: 29. April 2006