|
|
|
Recherchiert man über das Volk der Nemeter, das den PAMINA Raum und den nordpfälzisch/kurpfälzischen Raum vor der Romanisierung besiedelte, dann stößt man immer wieder auf den Namen Nemetona. Nemetona ist der Name einer Göttin, die zwar als Stammesgöttin der Nemeter galt, die aber im gesamten keltischen Kulturkreis bekannt war. Mit dem Namen Nemetona etymologisch verwandt ist der Begriff "Nemeton", was einen heiligen Bezirk, ein geweihter Hain oder einen Schrein bezeichnet. Bei den Anhängern der altkeltischen Religion bezeichnet ein Nemeton ein Heiligtum. In der römischen Zeit erscheint Nemetona als Stammesgöttin der Nemeter und als gallische Schutzgöttin der Heiligtümer. Als Gefährte wird ihr der Gott Mars Loucetius (der Strahlende) zugeordnet. Es dürfte sich allerdings hier um eine Interpretation Romana handeln. Die Römer waren durchaus geneigt, die Religionen der unterworfenen Völker zu respektieren, sie interpretierten sie allerdings in römischem Sinne. Teilweise scheint Nemetona auch mit der Minerva gleichgesetzt worden zu sein. In anderen Quellen erscheint Nemetona als Stammesgöttin der Treverer. Der keltische Stamm der Treverer, der sich auch mit romanischen und germanischen Einwanderern vermischte, gab der Stadt Trier den Namen (Augusta Treverorum). Bei den Treverern hat Nemetona Loucetius zum Gefährten, der den Stamm beschützt und von Krankheiten befreit. Jedoch wird bei den Treverern Nemetien als die eigentliche Heimat der Nemetona bezeichnet. Der Nemetona zugeordnet war bei den Nemetern das Fest der Ostara, das heutige Osterfest. Ostara selbst ist der germanische Name der Frühlingsgöttin (etymologisch verwandt mit der Himmelsrichtuing "Osten"). Da die Nemeter in der Spätzeit ( ca. 0 400 n Chr.) ein ausgeprägtes Mischvolk aus Vorkelten, Kelten, Germanen und Romanen waren, ist anzunehmen, daß für die germanischen Einwanderer (die den Sueben zuzuordnen sind) Nemetona identisch war mit Ostara. Es gibt gleichfalls noch eine etymologische Verwandtschaft zu Nemain (das bedeutet Ekstase), eine gallische Kriegsgöttin, die mit der römischen Minerva gleichgesetzt wurde und mit thermischen Wassern und Fruchtbarkeitsriten verbunden wurde. In den Alpen wurden überdies noch sehr lange eine Gruppe von Göttinnen verehrt, die Nemetialen genannt wurden. Unter ihrem Schutz standen auch hier die heiligen Stätten, die bei den Kelten stets im Wald sich befanden. Stammesgöttin der NemeterEs ist nicht schwer, aus dieser
Vielzahl von Puzzles eine Ahnung der historischen Wirklichkeit zu gewinnen. Die Nemeter
gaben sich offenkundig ihren Namen nach Nemetona, einer gemeinkeltisch verbreiteten und
verehrten Göttin. Die Schwierigkeiten, die die Römer anscheinend hatten, Nemetona einer
römischen Göttin zuzuordnen, zeigt an, daß Nemetona eine authochtone Göttin war, die
von manchen Stämmen, mindestens den Nemetern, als Hauptgöttin verehrt und angebetet
wurde. Die germanischen Einwanderer ordneten sie eher der Vegetations- und
Frühlingsgöttin Ostara zu, die romanischen eher der Minerva, der eher Kunstfertigkeit
und Kultur, aber auch Handwerk zugeordnet war, so daß man schließen kann, daß ihr
Charakter von einer Art war, der übergeordnet war. Wahrscheinlich war sie für die
Nemeter ein Aspekt oder eine Gestalt der Allgöttin. Man darf behaupten, daß die Nemeter
in besonderem Maße der kultischen Verehrung Nemetonas zugetan waren und ihr Stammes- oder
Volkscharakter eben dadurch geprägt worden war. Der heilige Ort: das NemetonNach allem, was wir wissen, wurden
die "Nemetons" von einer besonderen Gruppe oder Schicht gepflegt und betrieben,
die wir als Druiden bezeichnen. Die Kelten, die genetisch niemals, zu keinem Zeitpunkt,
ein "reinrassiges Volk" waren, sondern eher einen Kulturkreis darstellten
(übrigens die erste umfassende europäische Kultur), zeichneten sich insbesondere durch
die besondere Rolle der Druiden aus. Zu den Druiden gehörten Frauen wie Männer, noch bis
ins Mittelalter ist in einigen Landstrichen "Drude" die Bezeichnung für eine
Hexe. Nach den mir zur Verfügung stehenden Quellen praktizierten die Druiden ihren Kultus
in eben den Nemetons, die archäologisch mit den keltischen Viereckschanzen oder
Ringwällen zu identifizieren sind, welche lange Zeit für Flucht- oder Fliehburgen
gehalten wurden. Römer gegen die DruidenDie ansonsten religiös relativ toleranten Römer verfolgten nach der Unterwerfung Galliens seit Cäsar den Druidenkult unerbittlich. Das ist eigentlich merkwürdig, denn ansonsten versuchten die Römer einheimische Religionen eher zu integrieren. Es darf vermutet werden, daß der Druidenkult uralte westeuropäische Wurzeln hat und auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblickte. Es gab keinerlei schriftliche Überlieferung der Druiden, sondern die Schüler wurden angeblich 20 Jahre mündlich unterrichtet. Es gibt Spuren der druidischen Überlieferung, die den Schluß zulassen, daß die druidische Religion eine uralte Hochreligion war und über eine eigenständige Kosmologie verfügte, die der römischen weitaus überlegen war, jedoch offenkundig mit den imperialen Universalreichskonzeptionen der Römer nicht vereinbar war. Aus der Artus Legende ist zu entnehmen, daß die Druiden eine mächtige spirituelle Kraft im Hintergrund waren, die im verborgenen sich bemühten, auf die politischen und sozialen Prozesse Einfluß zu nehmen. Der legendäre Druide Merlin gilt ja als der Schöpfer des Reiches Camelot, indem er Arthur (der das Schwert aus dem Stein zog) zur Königskrone verhalf und als sein Berater tätig war. Die Druiden verfügten wohl über weitreichende Verbindungen, die weit über die beschränkten Stammeskönigreiche hinausgingen. Auch nach der Unterdrückung des Druidenkultes durch die Römer wirkten die Druiden noch weiter. Die Integration der Nemetona als Göttin in das gallisch-römische Pantheon war möglicherweise ein Ausdruck davon. Doch die christliche Mission vernichtete wohl auf lange Sicht die druidische Überlieferung, wenn auch mit Mühe. Von Trier, Worms und Speyer aus allesamt Bischofssitze entlang der alten Stammesgrenzen wurde das Land christianisiert. Die meist zwangsweise Bekehrten wurden ermahnt, "endlich von den Opfermahlzeiten zu lassen und auf die alten, heidnischen Trinksitten zu verzichten, jene Trinksitten also, die allem Anschein nach uralt, bereits in früher keltischer Zeit geschätzt worden waren" (K. Moersch, Geschichte der Pfalz). Auch wurde immer wieder vor "heidnischen Idolen, vor kultischen Tänzen und Liedern, auch vor den schlimmen Saufgelagen" gewarnt. Wenn man nun bedenkt, daß unser bekanntes Getränk Bier in der keltischen Zeit ein kultischen Zwecken vorbehaltener Rauschtrank war, der die Kommunikation mit den Göttern ermöglichen sollte, dann fällt auf diese Bemerkung aus der Überlieferung christlicher Kleriker schon ein merkwürdiges Licht. Die Geschichte der Zwangschristianisierung Nemetiens ist noch nicht geschrieben worden, aber es ist sicher, daß sie bis ins hohe Mittelalter dauerte. Die kriegerischen Verwüstungen, die in der Neuzeit mehrere Male Nemetien heimsuchten (vom Dreißigjährigen Krieg bis zum pfälzischen Erbfolgekrieg), bei dem immer wieder die Bevölkerung um bis zu 80 % reduziert und durch erneute Einwanderer aufgefüllt wurde, hat jegliche Erinnerung an die alte druidische Tradition getilgt. Es ist eine Aufgabe der heutigen Zeit, diese Tradition wieder zu rekonstruieren Nemain heißt EkstaseIch möchte zu Nemetona zurückkehren, der Göttin, die dem früher hier ansässigen Volke, das im wesentlichen zerstreut wurde, den Namen gegeben hat. Nemetona war eine Göttinnengestalt, die wir uns nach 1000jähriger christlicher Missionierung und Gedankenkontrolle kaum noch vorstellen können. Da ist zunächst der Umstand, daß Nemetona eine Göttin ist, also eine Frau. Ihr wird jeweils ein Gefährte zugeordnet (manchmal der römische Mars, manchmal der keltische Loucetius). Wer assoziiert da nicht das in allen alten Religionen Europas bekannte Götterpaar aus der Göttin und ihrem "gehörnten" Gefährten? Die Wurzelverwandtschaft ihres Namens mit dem keltischen Wort für Ekstase ("nemain") läßt vermuten, daß sie durch die Druiden mit der für diese Zeit häufigen sexualmagischen Riten angebetet wurde. Der rituelle Geschlechtsverkehr durch Priester und Priesterin war in der Volksreligion Europas der Akt, durch den das Ackerland zur Fruchtbarkeit gesegnet wurde. Der sexuellen Lust kam ganz im Unterschied zum lustfeindlichen Christentum die Bedeutung einer heiligen Kraft zu ( vergleichbare Elemente gibt es ja auch im indischen Tantrismus ). Hier sollte man sich aber keineswegs antike "Swingerparties" vorstellen, sondern eher ekstatische rituelle Akte im vertrauten Kreise (im Druidenzirkel), in denen die sexuelle Energie die Verbindung zu den göttlichen Kräften herstellte. Trotz des offenkundigen sexualmagischen Hintergrundes wird Nemetona von keiner Seite etwa der Venus zugeordnet, die bei den Römern eher die Göttin der rein körperlichen Lust war und dementsprechend gering geschätzt wurde. Gleichzeitig ist Nemetona alles andere als eine Frau, wie sie sich das Christentum vorzustellen in der Lage war. Ihr werden auch vermeintlich männliche Aspekte zugeordnet wie Kampftüchtigkeit, Kunstfertigkeit und Heilkraft. Das ist keinesfalls überraschend, denn die Geschichte des keltischen Kulturraumes ist an kriegerischen Frauengestalten sehr reich.Überdies sind der Wald und das in Nemetien reichlich fließende Wasser ihre Attribute. Sie darf als letzter spiritueller und mythologischer Ausdruck der untergehenden Epoche des Matriarchats angesehen werden. Daß ihr ein Gefährte zugeordnet wurde, entsprach der religiösen Auffassung des Volkes, das ein Götterpaar in den Mittelpunkt seiner Kulte stellte. Auch der indische Tantrismus, die Urreligion dieses Subkontinentes, hat das kreative Wechselspiel zwischen der Göttin Shakti und dem Gott Shiwa zum spirituellen Mittelpunkt. Nemetona und ihr Gefährte sind für uns lebendige Symbole für das Zukunftsprojekt Nemetien, das die Ausgleichung der Gegensätze und die Versöhnung der Geschlechter zum Gegenstand hat. |
Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: nemetien@nemetien.org
|