Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Keltischer Glaube und Druidentum

 

Von Bran Myrddinn, abgedruckt in NHZ Nr.2

1. Der Glaube

Die Mystik und Religion der Keltischen Stämme scheint auf den ersten Blick äußerst kompliziert und verworren, wie eines ihrer so kunstfertig gefertigten Schlingmuster, doch dieser Schein trügt. Um sie zu verstehen, müssen wir zunächst eine grundsätzliche Trennung zwischen Glaube und Religion vornehmen und diese für sich betrachten: Der Glaube ist das grundsätzliche Wissen um die Natur und ihre Gesamtbeziehung zu jedem einzelnen Kelten. Er besitzt dafür ein Symbol zur ständigen Erinnerung. Das "Triskell".

Es verkörpert für ihn das Entstehen, das Sein und das Vergehen. Es ist das Zeichen der "Großen Mutter", der Natur. Also ist es wichtig für den Einzelnen, diesem Lauf zu folgen, seinen Platz innerhalb des Gesamten einzunehmen. Auf der Basis dieses Glaubens verfolgt also jeder seine eigenen Ziele. Da er sich aber, wie alle anderen, an die Gesetze der Natur hält, wird er jenen Platz einnehmen, den die Natur für ihn vorgesehen hat und an dem er wiederum durch dieselben Gesetze geschützt ist. Daraus erklärt sich dann auch der Keltische Schicksalsbegriff. Also baut sich auf der Individualität des Einzelnen das Kollektiv der gesamten Gesellschaft auf. Mit diesen Voraussetzungen braucht man keine religiöse Organisation im Sinne einer "Kirche", denn jeder geht seinem Glauben höchst persönlich nach, man muß sogar sagen, jeder zeigt seinen Glauben dadurch, daß er am Leben ist und dieses seiner Natur gemäß führt. Der Glaube im Keltischen ist also kein katechistischer, sondern im Gegenteil, eine Lebensführung an und für sich.

2. Die Religion

Innerhalb des Ganzen, also der Natur, gibt es Kräfte, die als besonders anzusehen sind, so z.B. Blitz, Feuer, Klang, Heilung usw. . Um mit solchen Kräften umzugehen, bedurften sie Namen. Namen, welche ihnen von den Hütern der Gesetze, den Druiden, gegeben wurden. Sie sind nun Hüter, Rächer, Helfer, Führer. Aus ihnen setzt sich die Religion zusammen. Diese Kräfte sind nicht Götzen oder Götter im griechisch-hellenistischen Sinne. Dort sind sie eigenständige Wesen außerhalb der Grenzen der Natur, hier sind sie besondere Teile der Natur mit eigenständiger, individualisierter Handlung in derem Rahmen, wie der Mensch selbst. Jene Regeln zu kennen und auszuführen, um mit ihnen zu kommunizieren, sie um Hilfe zu bitten oder gar ihnen zu befehlen, oblagen einzig und allein den Priestern.

3. Die Hüter des Gleichgewichts

Mit dem Wort "Druiden" werden heute zumeist alte Männer mit langen weißen Haaren und Bärten assoziiert. Von solchen Vorstellungen ist natürlich Abstand zu nehmen. Bei der Betrachtung der Keltischen Hierarchie zeigen sich der Clansmann und Clansfrau, also Siedler, Krieger, Händler, dann die Clansführer und Könige und eben die Druiden, weisen Frauen und Barden und Poeten.

Der "Beruf" des Druiden war also nichts Besonderes, sondern einer unter vielen, eine Betätigung auf einem bestimmten Aufgabengebiet. Allerdings auf einem Aufgabengebiet, das viele Bereiche umfaßte: Gesetzeshüter, Berater, Zeremonienmeister, Priester, Landschaftspfleger, Tier- und Pflanzensachkundiger, Seher, Chronist, Schiedsrichter, Lehrer, Geschichtenerzähler und vieles andere. Durch diese vielfältigen Arbeitsgebiete konnte wiederum der Grundsatz, daß jeder das tue, was er am besten kann, eingebracht werden, und so wurde der einzelne Druide je nach Neigung speziell ausgebildet. Damit gliederten sich auch die Druiden in die "Gesellschaft von Spezialisten" ein. Druide zu werden war Berufung: Der amtierende Druide sah sich die Jungmannen eines Dorfes oder Landstriches an und erkundigte sich über sie. Nach Eignung wählte er dann einen von ihnen als Schüler. So übertrug sich das gehütete Wissen von Generation zu Generation und wuchs mit der Erfahrung jedes einzelnen Druiden.

©1995 Bran Myrddinn - dieser Text darf frei verteilt und kopiert werden, darf jedoch nicht verändert werden. Bei Zitaten ist als Quelle zu nennen: aus "Die Celten", Bran Myrddinn 1995. Mit Quellenangabe darf soviel zitiert werden, wie gewünscht

 

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Stand: 02. Mai 2006