Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Imbolc – Fest der Wiedergeburt des Lichts

Sylvia Botheroyd

übernommen aus http://www.juergen-koerner.de/kelten_t.htm#Imbolc

Nachdem der Jahreskreislauf der Kelten mit Samhain begonnen hat und zur Wintersonnwende (Julfest) die Sonne wieder zu neuem Leben erwacht ist, beginnen die Tage allmählich länger zu werden. Das Abendessen kann nun schon ohne Kerzenschein (oder elektrisches Licht) eingenommen werden. Dies ist der richtige Zeitpunkt um einmal in sich zu gehen, der alltäglichen Dinge Einhalt zu gebieten, der "Großen Göttin" dafür zu danken daß die dunkle und kalte Zeit bald vorüber sein wird, und um für das neue Jahr zu planen.

Unsere Vorfahren feierten diesen Tag als Beginn der bäuerlichen Aktivitäten des neuen Jahres. Die Mutterschafe begannen wieder Milch zu produzieren, daher leitet sich möglicherweise auch der Ursprung des Wortes "Imbolc" vom keltischen Wort "óimelc" ab, das aus den Worten "oi"("Schaf") und "melcg" (Milch) zusammengesetzt ist. Die im Winter hergestellten Kerzen wurden an Imbolc gesegnet und erstmals angezündet. Selbst die Christen übernahmen diesen Tag als "Lichtmeß" und das rituelle Anzünden von Kerzen erinnert an diesen alten Brauch. In skandinavischen Ländern hat dieser Feiertag noch heute große Bedeutung, der katholische Kalender verzeichnet den 2. Februar als "Mariä Lichtmeß". Noch bis ins späte neunzehnte Jahrhundert war das der Zeitpunkt um Dienstboten und Haupersonal für das neue Jahr einzustellen.

Andere Auslegungen neueren Datums von "Imbolc" gehen mit "Geburt, Entbindung, ritueller Reinigung" in dieselbe Richtung. Alles weist darauf hin, daß Imbolc ursprünglich das dank der weiblichen Fähigkeiten zu gebären, zu ernähren und zu schützen wieder in Gang kommende Leben feierte. Es sind schließlich die zu Beltane, dem Fest der Liebe und der Fruchtbarkeit gezeugten Kinder, die nun das Licht der Welt erblicken. Und es sind jene Fähigkeiten, die in der heidnischen Gesellschaft niemand besser verkörperte als die seit der Steinzeit verehrte "Große Mutter", die die Kelten einerseits unter einer großen Zahl lokaler Namen kannten wie z.B. die Nemeter und Teverer als "Nemetona", andererseits auch unter überregionalen, z.B. "Brigantia" vorwiegend auf dem Festland und "Brigit" auf den britischen Inseln.

Beide Namen gehen auf einen indoeuropäischen Stamm, den "Brigantes" mit der Bedeutung "Hoheit, Erhabenheit, Macht, Wirkung" zurück: Brigit wäre demnach die Hohe, Hehre, Mächtige, Wirkende, die oberste Göttin. Europaweit gehen Stammes-, Orts- und Flußnamen auf sie zurück. Die Brigantes sind ein Keltenstamm, der aus Bregenz, seiner Hauptstadt am Bodensee, auswanderte, zuerst nach Britannien, wo Flußnamen wie "Barrow", "Braint" und "Brent" vorkommen, und darauf nach Irland, um sich u.a. auf der Ebene von Brech niederzulassen. In Irland nahm die Göttin dann unter dem leicht abgewandelten Namen "Brigit" einen solchen Rang ein, daß dieser zu einem Synonym für "Göttin" wurde. Vielerorts, vor allem in Irland ist Imbolc daher auch als Tag der "Heiligen Brigitte" bekannt. Wie kam das?

Nun, für die christlichen Missionare war die kaum gebrochene Verehrung der Muttergöttin in Irland ein schwerwiegendes Problem, ging damit doch eine Wertschätzung der Natur und der weiblichen Sexualität einher, also genau jener Dinge, woran die an der Genesis geschulten Männer den Sündenfall der Menschheit festmachten und worauf ihre Furcht vor ewiger Verdammnis gründete.

Den Namen eines heidnischen Jahreszeitenfestes, Imbolc, das im Bild der Mutterschaft und des Lammes die Kräfte der großen Göttin evozierte und bewahrte, ließ sich jedoch relativ leicht zum Verschwinden bringen - die Substanz, um die es ging, jedoch nicht. Die einzige Lösung war die Verchristlichung der großen Göttin zur Gestalt der künftigen irischen Nationalheiligen, St. Brigid von Kildare, und der Übertragung ihres Festtages, von da ab "Faíl Brighde", "Fest der Brigid", auf die fromme Äbtissin, die von 452 (oder 454) bis 524 (?) gelebt haben soll.*

Ob diese eine historische Persönlichkeit war, ob sie im Dienst der Großen Göttin stand, ob sie, wie vermutet wird, tatsächlich das der Brigid geweihte Feuerheiligtum in Kildare (westlich von Dublin) eigenhändig christianisierte, all das muß hinter der Frage zurücktreten, inwiefern der Versuch gelang, die Muttergöttin durch eine der Welt entsagende, christliche Nonne zu ersetzen. Schließlich hüteten im Kloster von Kildare weiterhin 19 weißgewandete Frauen das von einer Weißdornhecke - dem der Großen Mutter heiligen Gehölz - umgebene Feuer. Jedem männlichen Wesen war Zutritt bei schlimmster Strafe untersagt.

Nun, vollen Erfolg, das Physische zu verdrängen, zeitigen höchstens die genormten, abgehobenen Gipsstatuen der Heiligen, die mancherorts, hauptsächlich aus ökonomischen Gründen, an heiligen Quellen stehen. Die Blumen, Votivgaben und Briefe zu ihren Füßen verraten jedoch, daß in den Herzen und Köpfen der Gläubigen das Bild einer zwar sehr spirituellen, aber zugleich auch praktischen, tatkräftigen, hilfreichen und mütterlichen Frauengestalt weiterlebt, der nichts Menschliches fremd ist*

Imbolc zu feiern gibt uns Gelegenheit über den ewigen Kreislauf von Tod, Geburt und Leben nachzudenken. Wir können Kerzen ins Fenster stellen und Brigit als Gestalt der Großen Göttin ein Stück Butterkuchen opfern. Dieser schöne alte keltische Brauch, der in Irland heute noch stellenweise gepflegt wird verbindet uns spirituell mit der kollektiven Seele der Nemeter, des Volkes, dessen Namen wir tragen und dessen Wiedergeburt wir in unseren Herzen betreiben- der Wiedergeburt des Lichts.(pt) (* Auszug aus Sylvia Botheroyd: Das keltische Jahr, [http://www.juergen-koerner.de/kelten_t.htm#Imbolc] )

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Stand: 12. Februar 2005