Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Grundzüge einer MIRZA Bewegung

erschienen in der NHZ Nr.1

MIRZA steht für

Modell Integrierter Regionaler Zukunfts - Alternativen

Gegen das Projekt Nemetien wurde von einigen Menschen eingewandt, daß es regional beschränkt sei. "Menschen aus Köln, Berlin oder gar Lyon oder Turin können sich dem gar nicht anschließen". Das stimmt nicht.

Natürlich ist das Nemetien regional begrenzt. Es macht keinen Sinn, ein Projekt zu definieren, das als Areal die ganze Welt und die ganze Menschheit hat. Aber Eingrenzung ist nicht Ausgrenzung. Im gewissen Sinn kann Nemetien überall sein. Aber es kommt überall darauf an, die progressiven Bewegungsziele mit regionalen und historischen Traditionen zu verbinden. Beispiele dafür sind die Nationalbewegungen etwa im Baskenland, in der Bretagne oder in Schottland. In allen drei Fällen wurden linke Positionen mit traditionalistischen erfolgreich verbunden. Die Scotish National Party beispielsweise, die für die Unabhängigkeit Schottlands antritt, hat längst die Labour Party bei der Arbeiterschaft Schottlands ausgestochen, bezieht sich auf die Grüne Bewegung, bezeichnet sich explizit als multirassisch (multiracial) und knüpft dabei an die uralte Tradition der freiheitsliebenden schottischen Clans an (die übrigens selbst eine multikulturelle Gesellschaft darstellten).

Die klassischen politischen Lager links – rechts befinden sich europaweit längst in einem Auflösungsprozeß. Alle Lager müssen gewaltig Schutt und Ballast abwerfen, wollen sie produktiv eine Zukunft gestalten.

Fakt ist: die große Aufbruchbewegung des Jahres 1968 hat sich längst gebrochen und ist im Sande verlaufen. Die prophetische Aussage eines Rudi Dutschke, daß die Menschen lernen müssen, konkrete Utopien einer besseren Welt zu entwickeln und praktisch zu verwirklichen, mündete in einer Reihe von Ein-Punkt-Bewegungen (gegen Atomkraft, gegen Umweltzerstörung etc.). Die aus den stalinistischen K-Gruppen entstandene Spät-Linke entwickelt Ansätze eines neuen Faschismus (Feldzug der sogenannten "Anti"-Faschisten gegen ZEGG, Freiwirtschaftler, Vegetarier, Anarcho-Liberalen, Trotzkisten, "esoterischen Faschismus" usw.usf.). Die Hinwendung einiger ehemaliger Führer der 68er Bewegung zur "Neuen Rechten" ist ein Ausdruck dieser Krise, aber keinerlei Ausweg daraus (Mahler, Rabehl).

Der einzige konstruktive Ausdruck der 68er Bewegung hin zu einer neuen Gesellschaft und einer neuen Kultur ist das, was gelegentlich als "Gemeinschaftsbewegung" beschrieben wird. Hierzu gehören Gemeinschaften wie das ZEGG, Kommune Niederkaufungen, Stamm Füssen und viele andere. Alle diese Gemeinschaften zeichnet aus, daß sie zum Teil sehr unterschiedliche weltanschauliche Ausgangspunkte haben, aber in der konkreten Gestaltung in vielen Punkten korrelieren.

 

Dazu einige Thesen:

1. Es ist an der Zeit, positive Prinzipien für eine Gesellschaft der Zukunft zu formulieren und zu fixieren. Die Zeit der Anti-Bewegungen ("Wir sind gegen....") muß vorbei sein, weil diese Bewegungen keinerlei Perspektiven bieten. Im Gegenteil wird die Internalisierung der Anti – Haltung unmittelbar und direkt die Grundlage für neue Faschismen und Stalinismen.

2. Alle Kräfte, die an der Gestaltung einer lebenswerten Zukunft interessiert sind, müssen sich beteiligen können. Politisches Lagerdenken gibt nicht mehr viel her, seit sogenannte "Linke" zu einer gefährlicheren Bedrohung von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit geworden sind als sogenannte Rechte.

3. Die Überwindung des Individualismus und Egoismus kann nur im Rehmen einer integrierten Gesamtalternative erfolgen. Diese Gesamtalternative umfaßt alle wichtigen Ebenen der menschlichen Existenz.

4. Gemäß dem Satz von Capra "Global denken, lokal handeln" muß eine Integrierte Zukunftsalternative konkret faßbar und vorstellbar sein. Es ist keine faßbare Zukunftsalternative, wenn sie etwa erst dann realisierbar wäre, wenn "die Menschheit mit einem Gesamtwillen nach einem Gesamtplan" (Engels) vorgehen würde. Eine Bewegung, die große Mengen Menschen zu erfassen vermag, muß von wenigen begonnen werden können. Daher fange ein jede/r in seiner Region an.

Ich habe noch keinen Namen für eine solche paneuropäische Bewegung. Es gibt eine Europeen Freedom Alliance aus verschiedenen regionalistischen Parteien, aber die erfaßt nur ein kleines Spektrum der möglicherweise in Frage kommenden Bewegungen.

Man spricht auch gelegentlich von einer sogenannten "Gemeinschaftsbewegung", dann wieder von einer "grünen Bewegung" etc. dann darf man auch nicht vergessen, daß auch andere politische Lager ihre Mauserungsprozesse durchmachen. Es läßt sich schwer sagen, ob aus all dem eine gemeinsame Bewegung entstehen kann, die eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen gestaltet. Natürlich sollten wir darauf hinarbeiten.

Daher MIRZA. Das ist bis jetzt nur ein Name, ein Begriff, der es uns aber erlaubt, mit anderen Bewegungen in Dialog zu treten. Die existierenden Gemeinschaftsbewegungen haben –jede auf ihre Art – Impulse gegeben und Nachahmer erzeugt. Das ist auch gut so. Die Maitea – Gruppe in Karlsruhe wurde so vom ZEGG, vom Stamm Füssen, von Niederkaufungen und anderen beeinflußt und inspiriert. Eine nemetische Bewegung könnte ihrerseits wieder inspirieren. Nemetien kann also sicherlich überall sein, aber es wäre sinnvoll, wenn sich Gemeinschaftsbewegte etwa in Freiburg das Projekt Tribokien vornehmen, um sich mit den regionalen Traditionen zu verknüpfen. Oder gemeinschaftsorientierte Menschen in Nordeutschland könnten sich mit der friesischen oder altsächsischen Tradition verknüpfen. Im Spreewald wäre ein Anknüpfen an wendische Traditionen interessant. Natürlich – um diesem Einwand zuvorzukommen – muß sich kein Gemeinschaftsprojekt mit regionalen Traditionen verbinden – zwingen kann sie sowieso keiner. Aber darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, herauszuarbeiten, daß die Verknüpfung moderner politischer Positionen mit uralten europäischen Traditionen einem Gemeinschaftsprojekt eine strukturelle historische Tiefe und eine Zukunftsperspektive zugleich bietet, denn die Perspektive eines friedfertigen revolutionären Regionalismus bietet einen Ausweg aus den blutigen Lagerkämpfen, die das 20 Jahrhundert geprägt hat. Sicher war dieses Jahrhundert der Klassenkämpfe und des Rassenwahns von Prozessen gezeichnet, die teilweise unvermeidlich und notwendig waren. Aber wir müssen die alten Lagerfronten nicht bis in die ferne Zukunft vor uns herschieben. Das 21. Jahrhundert ist dazu prädestiniert, die Gegensätze (Widersprüche) im Sinne Hegels auf einer höheren Ebene aufzuheben. Die Aufhebung der Widersprüche hat zur Vorraussetzung, den positiven intentionalen Kern aller großen politischen Bewegungen herauszuarbeiten und miteinander zu einem neuen Gesamtkonzept zu verknüpfen. Das kann für Europa nur der friedfertige revolutionäre Regionalismus sein, eben MIRZA.

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Stand: 29. April 2006