MIRZA steht für
Modell Integrierter Regionaler Zukunfts -
Alternativen
Gegen das Projekt Nemetien wurde von einigen
Menschen eingewandt, daß es regional beschränkt sei. "Menschen aus Köln, Berlin
oder gar Lyon oder Turin können sich dem gar nicht anschließen". Das stimmt nicht.
Natürlich ist das Nemetien regional
begrenzt. Es macht keinen Sinn, ein Projekt zu definieren, das als Areal die ganze Welt
und die ganze Menschheit hat. Aber Eingrenzung ist nicht Ausgrenzung. Im gewissen Sinn
kann Nemetien überall sein. Aber es kommt überall darauf an, die progressiven
Bewegungsziele mit regionalen und historischen Traditionen zu verbinden. Beispiele dafür
sind die Nationalbewegungen etwa im Baskenland, in der Bretagne oder in Schottland. In
allen drei Fällen wurden linke Positionen mit traditionalistischen erfolgreich verbunden.
Die Scotish National Party beispielsweise, die für die Unabhängigkeit Schottlands
antritt, hat längst die Labour Party bei der Arbeiterschaft Schottlands ausgestochen,
bezieht sich auf die Grüne Bewegung, bezeichnet sich explizit als multirassisch
(multiracial) und knüpft dabei an die uralte Tradition der freiheitsliebenden
schottischen Clans an (die übrigens selbst eine multikulturelle Gesellschaft
darstellten).
Die klassischen politischen Lager links
rechts befinden sich europaweit längst in einem Auflösungsprozeß. Alle Lager
müssen gewaltig Schutt und Ballast abwerfen, wollen sie produktiv eine Zukunft gestalten.
Fakt ist: die große Aufbruchbewegung des
Jahres 1968 hat sich längst gebrochen und ist im Sande verlaufen. Die prophetische
Aussage eines Rudi Dutschke, daß die Menschen lernen müssen, konkrete Utopien einer
besseren Welt zu entwickeln und praktisch zu verwirklichen, mündete in einer Reihe von
Ein-Punkt-Bewegungen (gegen Atomkraft, gegen Umweltzerstörung etc.). Die aus den
stalinistischen K-Gruppen entstandene Spät-Linke entwickelt Ansätze eines neuen
Faschismus (Feldzug der sogenannten "Anti"-Faschisten gegen ZEGG,
Freiwirtschaftler, Vegetarier, Anarcho-Liberalen, Trotzkisten, "esoterischen
Faschismus" usw.usf.). Die Hinwendung einiger ehemaliger Führer der 68er Bewegung
zur "Neuen Rechten" ist ein Ausdruck dieser Krise, aber keinerlei Ausweg daraus
(Mahler, Rabehl).
Der einzige konstruktive Ausdruck der 68er
Bewegung hin zu einer neuen Gesellschaft und einer neuen Kultur ist das, was gelegentlich
als "Gemeinschaftsbewegung" beschrieben wird. Hierzu gehören Gemeinschaften wie
das ZEGG, Kommune Niederkaufungen, Stamm Füssen und viele andere. Alle diese
Gemeinschaften zeichnet aus, daß sie zum Teil sehr unterschiedliche weltanschauliche
Ausgangspunkte haben, aber in der konkreten Gestaltung in vielen Punkten korrelieren.
Dazu einige Thesen:
1. Es ist an der Zeit, positive Prinzipien
für eine Gesellschaft der Zukunft zu formulieren und zu fixieren. Die Zeit der
Anti-Bewegungen ("Wir sind gegen....") muß vorbei sein, weil diese Bewegungen
keinerlei Perspektiven bieten. Im Gegenteil wird die Internalisierung der Anti
Haltung unmittelbar und direkt die Grundlage für neue Faschismen und Stalinismen.
2. Alle Kräfte, die an der Gestaltung einer
lebenswerten Zukunft interessiert sind, müssen sich beteiligen können. Politisches
Lagerdenken gibt nicht mehr viel her, seit sogenannte "Linke" zu einer
gefährlicheren Bedrohung von Grundrechten wie der Meinungsfreiheit geworden sind als
sogenannte Rechte.
3. Die Überwindung des Individualismus und
Egoismus kann nur im Rehmen einer integrierten Gesamtalternative erfolgen. Diese
Gesamtalternative umfaßt alle wichtigen Ebenen der menschlichen Existenz.
4. Gemäß dem Satz von Capra "Global
denken, lokal handeln" muß eine Integrierte Zukunftsalternative konkret faßbar und
vorstellbar sein. Es ist keine faßbare Zukunftsalternative, wenn sie etwa erst dann
realisierbar wäre, wenn "die Menschheit mit einem Gesamtwillen nach einem
Gesamtplan" (Engels) vorgehen würde. Eine Bewegung, die große Mengen Menschen zu
erfassen vermag, muß von wenigen begonnen werden können. Daher fange ein jede/r in
seiner Region an.
Ich habe noch keinen Namen für eine solche
paneuropäische Bewegung. Es gibt eine Europeen Freedom Alliance aus verschiedenen
regionalistischen Parteien, aber die erfaßt nur ein kleines Spektrum der möglicherweise
in Frage kommenden Bewegungen.
Man spricht auch gelegentlich von einer
sogenannten "Gemeinschaftsbewegung", dann wieder von einer "grünen
Bewegung" etc. dann darf man auch nicht vergessen, daß auch andere politische Lager
ihre Mauserungsprozesse durchmachen. Es läßt sich schwer sagen, ob aus all dem eine
gemeinsame Bewegung entstehen kann, die eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen
gestaltet. Natürlich sollten wir darauf hinarbeiten.
Daher MIRZA. Das ist bis jetzt nur ein Name, ein Begriff,
der es uns aber erlaubt, mit anderen Bewegungen in Dialog zu treten. Die existierenden
Gemeinschaftsbewegungen haben jede auf ihre Art Impulse gegeben und Nachahmer
erzeugt. Das ist auch gut so. Die Maitea Gruppe in Karlsruhe wurde so vom ZEGG, vom
Stamm Füssen, von Niederkaufungen und anderen beeinflußt und inspiriert. Eine nemetische
Bewegung könnte ihrerseits wieder inspirieren. Nemetien kann also sicherlich überall
sein, aber es wäre sinnvoll, wenn sich Gemeinschaftsbewegte etwa in Freiburg das Projekt
Tribokien vornehmen, um sich mit den regionalen Traditionen zu verknüpfen. Oder
gemeinschaftsorientierte Menschen in Nordeutschland könnten sich mit der friesischen oder
altsächsischen Tradition verknüpfen. Im Spreewald wäre ein Anknüpfen an wendische
Traditionen interessant. Natürlich um diesem Einwand zuvorzukommen muß
sich kein Gemeinschaftsprojekt mit regionalen Traditionen verbinden zwingen kann
sie sowieso keiner. Aber darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, herauszuarbeiten,
daß die Verknüpfung moderner politischer Positionen mit uralten europäischen
Traditionen einem Gemeinschaftsprojekt eine strukturelle historische Tiefe und eine
Zukunftsperspektive zugleich bietet, denn die Perspektive eines friedfertigen
revolutionären Regionalismus bietet einen Ausweg aus den blutigen Lagerkämpfen, die das
20 Jahrhundert geprägt hat. Sicher war dieses Jahrhundert der Klassenkämpfe und des
Rassenwahns von Prozessen gezeichnet, die teilweise unvermeidlich und notwendig waren.
Aber wir müssen die alten Lagerfronten nicht bis in die ferne Zukunft vor uns
herschieben. Das 21. Jahrhundert ist dazu prädestiniert, die Gegensätze (Widersprüche)
im Sinne Hegels auf einer höheren Ebene aufzuheben. Die Aufhebung der Widersprüche hat
zur Vorraussetzung, den positiven intentionalen Kern aller großen politischen Bewegungen
herauszuarbeiten und miteinander zu einem neuen Gesamtkonzept zu verknüpfen. Das kann
für Europa nur der friedfertige revolutionäre Regionalismus sein, eben MIRZA.