Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Die Nemeter: "Entspannte Barbaren"?

oder was "Ökofaschismus" mit Nemetien zu tun hat

von Prometeus, erschienen in der NHZ Nr. 5, Dezember 2002

 

Warum das alles?

      Im April 2000 schrieb Raven in der ersten Ausgabe der NHZ, in der zum ersten Mal die "8 Nemetischen Prinzipien" erläutert wurden, im Artikel "Für einen friedfertigen revolu-tionären Regionalismus in einem freien Europa!" auszugsweise wie folgt:

      "Die bisherigen politischen Lager geraten mehr und mehr ins Verschwimmen. Für viele 68-er stellt sich die Frage, was sie eigentlich noch mit den Möchtegern - Inquisitoren verbindet, die heute behaupten eine "Linke" darzustellen. (....) Nur abstrakte Gedanken-akrobatik konnte da einen Zusammenhang schaffen.(...) Es kommt darauf an, die Sehnsucht der Menschen nach Identität richtig zu verstehen und diese geschichtliche Triebkraft sinnvoll zu gestalten." (1)

      Eine dieser "Möchtegern - InquistitorInnen", Frau Jutta Ditfurth (ehemalige Bundesvorstandssprecherin der Grünen, jetzt im Vorstand der Splittergruppe der "Ökologischen Linken"), die auch offensichtlich vom Zug der Geschichte überrollt wurde, und der dabei wohl ihre klassischen Feindbilder abhanden gekommen zu sein scheinen, hat 1996 in ihrem Werk "Entspannt in die Barbarei" (2) einige neue Feindbilder ausgemacht, nur um dieselben gründlich durcheinanderzuwirbeln, mit brauner Soße zu übergießen und im links - dogmatischen Gully zu entsorgen. Mit der Einstellung, dass nicht sein kann was nicht sein darf (nämlich nicht - linke Ökologen), richtet sich ihre Aufmerksamkeit neben der Esoterik hauptsächlich auf die "Öko - Faschisten", womit sie alle nicht links - dogmatischen Personen und Bewegungen mit ökologischen Ansätzen meint. Die Spannweite ihrer "Öko - Faschisten" umfaßt ein buntes Gemisch angefangen von Rudolf Steiner und der Anthroposophie über den "Freiwirtschaftler" der zwanziger Jahre Silvio Gesell , (sie nennt ihn einen antisemitischen Sozialdarwinisten) hin zu Veganern, neuheidnischen Be-wegungen, Bioregionalisten, der amerika-nischen "Earth First" - Bewegung, germani-schen und völkischen Gruppen bis zu Tierschützern, der Hamburger GAL (Grün - Alternative Liste), der ÖDP (Ökologisch- Demokratische Partei) sowie besonders deren rechte Splittergruppe UÖD (Unabhängige Ökologen Deutschlands).

      Bedauerlicherweise verliert Ditfurth‘s stellenweise berechtigte Kritik dadurch an Glaubwürdigkeit, dass auch sinnvolle und notwendige Konzepte wie "Bioregionalismus" diskreditiert werden und so das Werk auf informierte Leser nur noch weitgehend polemisch wirkt. So auch ihre lächerliche Forderung, den Begriff "Rasse" aus dem deutschen Wortschatz zu streichen, als ob man ethnische Unterschiede mit dem "Duden" aufheben könne.

      Nun wäre dieses "Ditfurth - Werk" für uns eigentlich nicht weiter von Belang, würden nicht selbsternannte SektenaufklärerInnen, wie z. B. die unsägliche Österreicherin Frau El Awadalla (3) und sogenannte "Antifaschisten" (4) ihre fragwürdigen Ansichten ungeprüft übernehmen und durch Medien aller Art weiterverbreiten und somit in der Öffentlichkeit ein Zerrbild der verschiedenen angegriffenen Gruppierungen projizieren.

      Daher halte ich es für unbedingt notwendig, statt mit plakativer Kritik und virtuellen Farbbeuteln die Autorin zu bewerfen (wie Frau Ditfurth es mit ihrem Werk tut), meinerseits missgedeutete Begriffe sachlich zu erläutern und deren eigentliche Bedeutung aufzuzeigen. Dies um so mehr, als "das Projekt Nemetien" auf den ersten Blick sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Bioregionalismus aufweist und somit auch direkt die Darstellung von "Nemetien" und anderer Bewegungen in der Öffentlichkeit subjektiv betroffen sind.

Bioregionalismus, was ist das?

      Der Bioregionalismus entstand in den siebziger Jahren in San Francisco aus Denkansätzen in der Hippie - und Landkommunen - Szene und entwickelte sich seitdem zu einer der einflussreichsten Umweltbewegungen in den USA. Die bedeutendste bioregionalistische Organisation ist wohl der "Planet Drum Foundation" mit Sitz in San Francisco. 1992 wurde der Bioregionalismus zur offiziellen politischen Leitlinie des Bundesstaates Kalifornien erklärt.

      Die Welt von morgen sollte nicht mehr durch willkürlich gezogene Nationalstaats- oder Kolonial - Grenzen zerteilt sein. Statt dessen würde es Bio - Regionen geben, das heisst Lebensräume, deren fliessenden Grenzen durch die Natur festgelegt sind (z.B. Wasserscheiden, Flussläufe usw.), die ihre eigene charakteristische Fauna und Flora haben, die spezifischen ökologischen Gesetzen unterworfen sind, nach denen sich die dort lebenden Menschen richten müssen, um ihr Überleben für sich und die zukünftigen Generationen zu sichern.

      Der Bioregionalismus knüpft so auch bewusst an archaische Traditionen und Kulturen an, lernt aus den Überresten des Erbes der vormals dort siedelnden Bevölkerungen und praktiziert unter Einbeziehung der Weisheiten der Indianer, Buddhisten, Taoisten, der Philosophen und Mystiker usw. eine Spiritualität, die der jeweiligen Region wirklich entspricht.

      Bioregionalismus ist somit keine politische Sekte, auch keine neue Religion, sondern vielmehr eine Form von Ökologisierung der "alten Religion" sowie deren Fortführung im Glauben an die Beseeltheit der "Natur". Sonnenenergie hat im Bioregionalismus ebenso seinen Platz wie Umweltschutz, Naturgeister, Kultplätze, Alternativmedizin und Programme für grüne Städte. Neue "alte" Lebensformen in "Stämmen", "Clans" und "Sippen" mit matriarchalen Strukturen gehören genauso zum Bioregionalismus wie erfüllte Sehnsüchte nach "Heimat" und Geborgenheit, die in Nachbarschaftshilfe, in Freundeskreisen, Netzwerken und in gemeinsam erlebter Spiritualität ihren Ausdruck finden.

      Theoretische Vordenker des Bioregionalismus sind u.a. der Tiefenökologe Peter Berg, der "Earth First"- Gründer Dave Foreman, Thomas Berry, Gene Marshall, Gary Snider, sowie der Träger des alternativen Nobelpreises Edward Goldsmith. Im deutschsprachigen Raum faßte der Ökoregionalismus erst Mitte der neunziger Jahre Fuß, was hauptsächlich Dr. Roman Schweidlenka und Dr. Eduard Gugenberger zu verdanken ist, die mehrere Bücher und Aufsätze zu dem Thema veröffentlichten. Das vom österreichischen Autoren - Duo stammende Werk "Bioregionalismus - Bewegung für das 21. Jahrhundert" (5) ist mittlerweile das deutschsprachige Standardwerk zum Thema Bioregionalismus schlechthin und für Bioregionalismus - Interessierte unbedingt zu empfehlen.

      In seinem Aufsatz "Bioregionalismus - Lebensräume der Erde" schreibt Dr. Schweidlenka auszugsweise zum Thema "Gemeinschaft" (6):

      "Bioregionale Gemeinschaften sind durch die Suche nach zwischenmenschlicher Wärme und Geborgenheit geprägt und vertreten ohne Ausnahme emanzipative Ziele, die von einer "Liebe zur Erde" begleitet werden sollen. Ziel dieser Gemeinschaften ist die Pflege der Werte der Zusammenarbeit, der Anteilnahme, der Solidarität und der persönlichen Entfaltung. Um diese Gemeinschaften zu festigen, werden – falls die Gruppe nicht zusammenlebt – zumindest monatlich stattfindende Treffen und die Erarbeitung von kultischen Festen im Jahreskreislauf empfohlen. Der "bioregionale Stamm" will eine weltoffene kreative Mischung aus Aktionismus, Visionen und sozialen Kontakten."

      Der vorher erwähnte Gene Marshall schreibt zum gleichen Thema:

      "Ich bin ein natürliches Wesen, das seiner angemessene Rolle innerhalb seiner nützlichen Gemeinschaften spielt. Ich kann meine Beziehungen zu meinen Mitmenschen mit der gleichen Hingabe gestalten, die ich auch für jeden Baum, jede Pflanze oder jedes Tier in meiner Region aufbringen kann; Bäume, Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, Menschen – alle sind sie meine Heimat, meine Familie, meine heilige Gemeinde. Der Bioregionalismus ist daher nicht einfach eine akademische oder intellektuelle Übung. Nein, er ist auch ein spirituelles Abenteuer, eine schamanische Reise in die Tiefen meiner eigenen Identität." (7)

      Nun ist der Bioregionalismus keineswegs eine dogmatische Bewegung. Die Interpretationen desselben variieren doch sehr stark. Deshalb lässt er sich auch nicht in das übliche politische Links - Rechts- Schema einfügen. Er beinhaltet ja nicht nur eine politische Dimension, sondern auch soziologische, spirituelle, ökonomische, kulturelle, ökologische und soziale Komponenten, die genau so wichtig sind und zusammengenommen nach meinem Dafürhalten den "Nemetischen Prinzipien" sehr nahe kommen, wenn nicht gar entsprechen.

      Dass sich auch Gruppen von völkisch gesinnten Deutschtümelnden, die "Germanisches Brauchtum" pflegen oder Organisationen wie z.B. die "Aktionsgemeinschaft der Deutschland-liebenden" (ADL) als "Bioregionalisten" bezeichnen, sollte eigentlich nicht stören, gehört das doch zu einer pluralen Gesellschaft. Allerdings bieten solche Gruppen doch die Steilvorlage für Leute a‘ la Ditfurth, den Bioregionalismus insgesamt und ohne Unterschied zu diskreditieren. Und da wären wir wieder beim Kern des Problems.

"Öko – Faschismus" - alles "öko", oder was?

Ich nehme an, dass ich den Begriff des "Faschismus" sowie seine Zweckentfremdung durch die dogmatische Linke als Terminus für alles Ideologische, was nicht dem eigenen sozialistischen Urschlamm entsprang, nicht ausführlich erläutern muss. Also deshalb nur ganz kurz ein Abriß:

Der Begriff "Faschismus" stammt aus dem italienischen Wort "fascio", welches das Reisigbündel bezeichnet, das die gleichnamige nationalistische sozialrevolutionäre totalitäre Bewegung benennt, die 1922 in Italien unter Mussolini zur Macht kam und bis 1943 dort diktatorisch regierte. Schon zur Zeit der Weimarer Republik wurde der Begriff vom politischen Gegner, hauptsächlich den bolschwistischen Kommunisten, auch auf die deutschen und europäischen Nationalsozialisten, die spanischen Franko- Anhänger, die argentinischen Peronisten usw. ausgedehnt, wohl weil Sozialisten, Sozialdemokraten und Kommunisten ein Problem mit dem Wort "National - Sozialisten" an sich hatten, waren sie doch die wirklichen "Sozialisten". Nach 1945 wurden dann vor allem von "Berufs - Antifaschisten" alle wirklichen und vermeintlichen politischen Bestrebungen und Aktionen, die sich gegen den "Sozialismus" richteten als "faschistisch" abqualifiziert und bekämpft. "Antifaschismus" wurde zur Staatsdoktrin in der DDR und in anderen Ländern erhoben und der Begriff des Faschismus wurde inflationär verwendet; seine ursprüngliche Bedeutung geriet so zur Nebensache.

Neueren Datums hingegen ist, dass Themen, die die Lebensgrundlagen aller Menschen und das Überleben der menschlichen Rasse über alle Grenzen hinweg zum Gegenstand haben als "faschistisch" bezeichnet werden, so sie denn nicht von den linken Gutmenschen lanciert, sondern vom vermeintlichen politischen Gegner in die Welt gesetzt werden.

Anstatt sich inhaltlich mit neuen Bewegungen, wie z.B. dem "Bioregionalismus" auseinanderzusetzen, zieht es die dogmatische Linke, oder was davon übriggeblieben ist, vor, ihm einen braunen Anstrich zu verpassen, nur um im Zirkelschluss den angeblichen Grund dafür aufzuzeigen warum es nicht nötig ist sich mit "Öko - Faschisten" abzugeben, nämlich weil sie angeblich politische "Rechte" seien; schliesslich sei dann Bioregionalismus ein "rechtes" Thema usw..

Ich will hier einige Gründe nennen warum die "Linke" mit Bioregionalismus nichts anfangen kann und will:

  1. ist der Bioregionalismus keine politische Bewegung im herkömmlichen Sinne (links – rechts - Schema), sondern wie bereits gesehen, eine ganzheitliche Lebensphilosophie mit starker spiritueller Ausrichtung
  2. geht der Bioregionalismus nicht davon aus, dass die Klassengesellschaft weltweit dadurch überwunden wird, dass die bestehenden "bürgerliche" Systeme gewaltsam oder behutsam durch sozialistische abgelöst werden müssen, sondern er bietet individuelle und regionsbezogene Lösungen an
  3. hat die sogenannte politische "Linke" schon immer ein Problem mit "freier Spiritualität", die es ihrer Meinung nach gar nicht geben darf, gehabt, da in einer materialistischen Welt kein Platz für Elfen, GöttInnen und Naturreligion ist ("Opium für das Volk")
  4. ist Rückbesinnung auf "alte Werte" ihrer Meinung nach das genaue Gegenteil von "Fortschritt durch Sozialismus", und wird dementsprechend als "reaktionär" gedeutet
  5. sind überschaubaren Lebensgemein-schaften (z. B. Stämme) wo Gleichgesinnte miteinander leben, lieben und arbeiten für den Aufbau einer "sozialistischen Weltordnung" hinderlich, da sie ihrer Meinung nach "Partikularismus" betreiben

Auch die politische "Rechte" tut sich inhaltlich schwer den Bioregionalismus als Chance zu begreifen. Die Gründe sind aber unterschied-lich.

  1. widerspricht der Bioregionalismus dem Nationalstaats - Gedanke, ja er stellt den Nationalstaat sogar in Frage, da er langfristig auf die Abschaffung derselben hinwirkt
  2. sind Konzepte einer freien Spiritualität ohne Hierarchien für konservative kirchliche Kreise unvorstellbar und "ketzerisch"
  3. sind matriarchale, basisdemokratische und auf Konsens beruhende Lebens – und Arbeitsgemeinschaften das Ende aller Bürokratie und somit "Anarchie"
  4. entspricht die Vorstellung, dass nicht der Mensch als "Krone göttlicher Schöpfung" die Natur beherrscht, sondern dass der Mensch als Teil der immer wieder-kehrenden Naturkreisläufe sich einfügen muss und seine ihm zugewiesene Rolle ausfüllt, nicht dem "christlichen konservativen Weltbild" und ist somit "revolutionär" und "gotteslästerlich"

Da also weder die "Linke" noch die "Rechte" inhaltlich etwas damit anfangen können, beschränkt man sich darauf, Ökoregionalisten wahlweise dem anderen politischen Lager zuzuordnen, womit sich dann eine inhaltliche Auseinandersetzung anscheinend erübrigt und die persönliche Diffamierung der vermeint-lichen Gegner einsetzt.

Der erste Schritt ist der, dass Vertreter des Bioregionalismus ausfindig gemacht werden, die anscheinend in die gewünschte Schublade passen. Man forscht dann in deren Schriften nach passenden Zitaten, reisst diese aus dem Zusammenhang und zitiert diese als Beweis für die eigene Einschätzung, dass der "Beobachtete" dem jeweils anderen politischen Lager zuzuordnen ist, und es somit gar keinen Sinn mache sich intellektuell damit auseinanderzusetzen. Der Bioregionalist hat dann nur noch die Wahl entweder ein "esoterischer Spinner" oder ein "Öko - Faschist" zu sein.

Beispiele gefällig?

So sehen sich die beiden Autoren des vorher erwähnten Buches "Bioregionalismus - Bewegung für das 21. Jahrhundert" ständigen Schmähungen seitens links- dogmatischer Kreise ausgesetzt. So z.B. die schon erwähnte Frau El Awadalla aus Wien, die Schweidlenka vorwirft, dass sich auch "eine Reihe neuheidnischer Gruppen mit mehr oder weniger rechtsextremem Hintergrund diesem ‚Weg ins 21. Jahrhundert‘ angeschlossen haben, und dass gelegentlich Hakenkreuze und SS- Runen auf Plakaten dieser Gruppen....auftauchen." Ferner moniert sie, dass viele seiner Artikel in "Zeitschriften fragwürdigster Qualität erscheinen" und dass Dr. Gugenberger behaupten würde "während einer ‚Visionssuche‘ mit Einstein in Kontakt gewesen zu sein", was der Autor nur zu Sarkasmus über die Tatsache verleitete, "dass jemand den ‚Schmäh‘ ernstnehmen könnte, sei ihm nicht in den Sinn gekommen." Was ihre "absolute Humorlosigkeit" betreffe, so werde "diese nur noch durch die Fehlinformation und die peinliche Bösartigkeit" mit der sie die "Hetzjagd auf ihn und seinen Kollegen betreibt", übertroffen. (3)

Die identischen Vorwürfe (zweifelhafte Veröffentlichungsorgane, der Einstein- Witz und angebliche Hakenkreuze) kommen auch vom Autor Peter Bierl in einem Aufsatz in "Ökolinx Nr.23", einer Veröffentlichung von Ditfurth’s "Ökologischer Linken". Wer hier von wem abgeschrieben hat weiß ich nicht. Inhaltliche Kritik? - Fehlanzeige.(11)

Unter der Überschrift "grün- braun ist die Stachelbeere" wird dem Hagener Leif- Thorsten Kramps, dem Vorsitzenden des "Arbeitskreis Bioregionalismus Sauerland", Sohn des SPD- Bundestagsabgeordneten Wilfried Kramps und Herausgeber der vierteljährlich erscheinenden Schrift "Stachelbeere" (10) von Dortmunder "Antifaschisten" im Internet der Schauprozess gemacht (4). Die Vorwürfe: Ein Aufruf zu einer Demo zur Sommersonnwende auf dem Hohen Meißner in Hessen, wo ein "heiliger Platz" mit einem Hotelneubau versehen werden sollte. Dies wäre ein "Hinweis" darauf, dass sich Kramps "immer noch als Heide begreift". (Antifaschisten sind eben stramme Atheisten und keine Heiden!). Ferner wird die geänderte Aufmachung seiner Schriften moniert. Zitat: "Der Wechsel vom offensichtlich konservativ - altdeutschen Schriftbild hin zum modernisierten und neutraleren Layout soll breitere Interessentenkreise ansprechen und rassistische Grundeinstellungen verbergen". Von inhaltlicher Auseinandersetzung aber findet man dort keine Spur, zumal es ihnen Kramps leicht machen würde, sieht man sich den Inhalt seiner Schriften genau an. Immerhin räumt man ein paar Seiten später ein, dass "die Etablierung und Besetzung des Begriffes Bioregionalismus als gelungen bezeichnet werden darf" nur um zwei Sätze später zu behaupten, dass sich der Bioregionalismus nach "ausgiebiger Betrachtung" nicht nur als "reichlich verträumter, sondern auch antisozialer und letztlich antiemanzipatorischer Gesellschaftsentwurf mit viel Platz für völkisches Gedankengut" erweise. Kommentar überflüssig.

Der Hamburger Schriftsteller und Autor Martin Blumentritt versteift sich gar zu der These: "Der Ökofaschismus ist die Modernisierung des Nationalsozialismus. Sie knüpft am ideologischen Alltagsbewußtsein an, das sich an oberflächlichen Erscheinungen realer ökologischer Probleme festmacht. Die Zerstörung der menschlichen Existenz-. bedingungen - und nur sofern kann von Umwelt des Menschen die Rede sein, daß seine Existenzbedingungen gemeint sind - wird ausgenutzt, um Bauernfängerei zu betreiben. Dem kommt ein leichtsinniges Alltags-bewußtsein und naturwissenschaftliches Halbwissen zugute, das meint der Mensch sei an den Katastrophen schuld, weil er sich für die Krone der Schöpfung halte. Damit wird von den eigentlichen Problemen, die im System der politischen Ökonomie liegen, abgelenkt.

Und es wird eine menschenfeindliche Ideologie progagiert, nach der der Mensch nur noch ein Lebewesen wie alle anderen ist und dem allgemeinen Fressen und Gefressenwerden untergeordnet....... Ökofaschismus unterscheidet sich von kritischer Ökologie dadurch, daß jener dem Menschen seine Rolle als Krone der Schöpfung, seine Menschenwürde streitig macht, während diese sich Sorgen um die natürlichen Voraussetzungen menschlicher Existenz Sorgen macht und diese zum Zweck von Politik erhebt." (8)

Das hätte wohl auch ein katholischer Bischof nicht besser formulieren können, aber der Autor ist ein "antifaschistischer" Verehrer von "Bomber- Harris", der u.a. Dresden in Schutt und Asche legte (nur soviel zu menschenfeindlicher Ideologie). Zum zitierten Text bilde sich der Leser seine eigene Meinung.

Der bösartigste und zugleich lächerlichste Vorwurf kommt nochmals von den Dortmunder Antifaschisten. Ohne Autor und Quellenangabe zu nennen, wird kolportiert, US - Bioregionalisten würden in der Diskussion um "Nachhaltige Entwicklung" häufig einen Einwanderungsstop fordern und dies mit der "carrying capacity" einer Bioregion begründen. "Einige (zwar wenige) versteigen sich sogar zu der Forderung, daß der Wildnis mehr Raum zustehe und die Weltbevölkerung daher auf 100 Millionen Menschen zu reduzieren sei, was bedeuten würde, daß knapp 40% der US-Bevölkerung weiterleben dürfe, die restlichen über 5 Milliarden der Welt "weggebeamt" würden. Auch in Deutschland finden solche Meinungen zunehmend Verständnis... ." (4)

Gegen solche Entgleisungen sind selbst die Ditfurth‘schen Polemiken ja noch wissenschaftlich, geschweige denn die langweiligen Untersuchungen über den "Biozentrismus" in Deutschland von Oliver Gaden. (9)

Angesichts dieser manifestierten Hilflosigkeit, den Bioregionalismus den braunen Schmuddelkindern unterzujubeln, frage ich mich was noch alles passieren muss, dass auch bei den zitierten Autoren ein Umdenkungsprozess einsetzt. Mit den Rezepten der Vergangenheit lassen sich die Probleme von morgen jedenfalls nicht lösen.

Fazit oder: der Bioregionalismus im Lichte der 8 Nemetischen Prinzipien

Das "Projekt Nemetien" basiert auf den acht nemetischen Prinzipien, das heißt Nemetien ist eine plurale, politische, spirituelle, ökonomische, kulturelle, ökologische und soziale Gemeinschaft von Menschen, die in Nemetien ihre Heimat finden und diese mitgestalten. Dies entspricht im wesentlichen auch den Vorstellungen, die den Bioregionalismus ausmachen.

Nemetien verkörpert die regionale Verwirklichung dieser Idee im "Land der Nemeter". Auch wenn diese Vision erst am Beginn steht, so ist sie doch deshalb so kraftvoll, weil die kollektive Seele eines ganzen untergegangenen Volkes und einer Region mit all ihrer Flora und Fauna, mit ihren feinstofflichen Wesen, ihren Hainen und mit ihrer Göttin "Nemetona" dahinter stehen und die Verwirklichung dieser Idee erwarten.

Aber vor allem ist die Vision so stark, weil die Menschen, die dieses Erbe angetreten haben, der Überzeugung sind, hier eine Bewegung in Gang gesetzt zu haben, die eine Eigendynamik entwickeln wird, die Menschen in Nemetien begeistert und anzieht und die irgendwann einmal die Grundlage einer zukunftsorientierten Form der menschlichen Gesellschaft bilden könnte.

Und sollte Nemetien den Erwartungen der politischen "Linken" nicht entsprechen, und dementsprechend ihr Urteil vernichtend ausfallen; mit dem Vorwurf "Öko - Faschist" zu sein kann ich in dem Fall locker leben. Ich bleibe entspannt, und bin eben der Barbar!

Schliesslich kann die Fragestellung nicht sein: Was muss ich tun um nicht gegen von hauptberuflichen Antifaschisten aufgestellte Dogmen zu verstossen? sondern: Was können wir alle tun damit dieser unser Planet mit samt seinen unterschiedlichen Lebensformen erhalten bleibt? (10)

Die schlüssige Antwort darauf bleibt uns Frau Ditfurth mit ihren GenossInnen schuldig

.(pt)

 

Quellenverzeichnis:

  1. NHZ Nr.1 , April 2000 Seite 5 – 6
  2. "Entspannt in die Barbarei, Esoterik, (Öko -) Faschismus und Biozentrismus" Konkret Verlag 1996
  3. zu Frau El Awadalla siehe: "Bioregionalismus oder Sektenberatung, eine LeserInnendiskussion" unter: http://www.awadalla.at/content/geobio.html
  4. http://www.free.de/antifa/nrw/winter97/bioreg.html
  5. Dr. Roman Schweidlenka und Dr. Eduard Gugenberger: "Bioregionalismus- Bewegung für das 21. Jahrhundert" Packpapier Verlag 1995, 218 Seiten, ISBN 3-931504-07-7, Verk.- Preis: 10 Euro
  6. Das Zitat ist einer Ausgabe von HAG & Hexe, Magazin für Schamanismus, Magie und Naturreligion entnommen. Das Copyright für den Aufsatz von Roman Schweidlenka liegt beim Verlag HAG & Hexe 63641 Büdingen und es darf auszugsweise zitiert werden.
  7. siehe 6.
  8. "Ökofaschismus und seine Konsequenzen" Martin Blumentritt (http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr311.htm)
  9. Oliver Gaden: "Rechte Ökologie" Elefanten Press 1995
  10. "Die Stachelbeere", Rundbrief für Bioregionalismus, Heimische Naturreligion und Fundamentalökologie, Herausgeber AK Bioregionalismus Sauerland, Leif - Thorsten Kramps, Klippchen 8a, 58093 Hagen, Einzelpreis 2 Euro
  11. Frau Ditfurth ihrerseits benutzte für ihre Generalabrechnung mit Joschka Fischer und die Grünen das Regenbogenmagazin "Neuen Revue" (1999/2000: Serie "Zahltag, Joschka!")

 

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Stand: 12. Februar 2005