Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Das andere Amerika erhebt sich - Welcome "New America"!

 

erschienen in der Sonderausgabe der NHZ zum Irakkrieg 2003

"Antiamerikanismus!" ist der geifernde Vorwurf, den die deutschen Propagandisten des Massenmordes an die Antikriegsbewegung richten. Es kommt unterdessen den meisten Deutschen schon zu den Ohren heraus, wenn immerzu betont wird, daß doch "die USA" "unsere Freunde" sind, mit denen man halt "Meinungsverschiedenheiten" habe. Es ist hier wichtig zu unterscheiden. Sie sagen "die USA" und meinen den Wahlfälscher, Trunkenbold und Logenbruder George W. Bush und sein Gruselkabinett sowie die kriminelle Bande aus Börsenbetrügern, Bilanzfälschern, Rüstungsprofiteuren und professionellen Spekulanten, die den Hampelmann zum Präsidenten gemacht haben. Schau dir an, wer deine Freunde sind und ich sage dir wer du bist. Oh, gemach, wir haben eine Menge Freunde jenseits des großen Teichs, eine ungeheure Menge von Freunden, so viele, daß unsere europäischen Hauptstädte allesamt übervoll wären, kämen sie uns alle besuchen! Tatsächlich findet in den USA den jetzt schon gewaltigste Massenmobilisierung aller Zeiten statt. Gemessen an der Dichte der zahllosen Aktionen und Aktivitäten gegen Bushs Kriegsabenteuer in den USA sind wir Europäer tatsächlich fast Waisenknaben. Die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer in den Staaten sprengt jede Superlative. Selbst zu den heißesten Zeiten der Bürgerrechtsbewegung und der Bewegung gegen den Vietnamkrieg waren nicht so viele Menschen auf den Straßen.

Das hat vielfältige Gründe. Niemand soll meinen, der Durchschnittsamerikaner, der "kleine Mann", die "kleine Frau" auf der Straße lasse sich immer und immer wieder belügen. Zwar stimmt es, daß weit weniger als die Hälfte der US-Amerikaner zur Wahl gehen, weil sich die andere Hälfte sagt, daß sie ohnehin keinen Einfluß auf das "Big Business" nehmen könnten, aber selbst von denen, die zur Wahl gegangen sind, haben wesentlich weniger als die Hälfte Bush gewählt. Was politische Partizipation in den USA noch mehr erschwert als anderswo, ist das heimtückische und raffinierte 2 – Parteien – System, das scheinbar eine Alternative zwischen Demokraten und Republikanern aufweist. Doch wie der amerikanische Autor Michael Moore in seinem Buch "Stupid white men" sarkastisch ausführte, es handelt sich in Wirklichkeit um eine Partei, zu eng sind die Verbandelungen zwischen den führenden Sippen in beiden Parteien, die hinter verschlossenen Türen in den gleichen Aufsichtsräten und Vorständen von großen Companies sitzen und einvernehmlich sowohl die arbeitende Bevölkerung als auch den sogenannten Mittelstand ausnehmen und nach Strich und Faden betrügen.

Mancher mag einwenden, daß wir in Deutschland etwa auch kein anderes System haben, gut, will ich hier nicht diskutieren, jedenfalls so krass wie in den USA sucht es seinesgleichen. Es handelt sich nicht um ein stalinistisches Einparteiensystem ( wie etwa in der ehemaligen DDR), sondern eher um ein Oligarchie – Kartell, das Partizipation und Demokratie vortäuscht, beides aber in Wirklichkeit verweigert.

Doch nichts wäre falscher als hier einen vordergründigen und sehr naiven "Anti-Amerikanismus" pflegen. Der Begriff "Anti-Amerikanismus" ist ja ein Kampfbegriff, eine Propagandawaffe, mit der Kritik an der Bush – Regierung mundtot gemacht werden soll. Aber wenn wir gegen die Bush – Plutokratie sind, so sind wir selbverständlich nicht gegen die Bevölkerung, die gegen Dubya auf die Straße geht.

Die Opposition in den USA ist jedoch ausgesprochen rege und sehr kampfbereit. Schon eine Woche nach dem Anschlag auf das World Trade Center demonstrierten in amerikanischen Städten bereits zehntausende Menschen der A.N.S.W.E.R. - Koalition gegen die Kriegsabsichten der Bush – Regierung, die ja dann auch deutlich wurden.

Gegenwärtig erlebt die USA ein ungeheures Wachstum der Anti – Kriegs – Bewegung, die wiederum mit anderen "anti-bushistischen" Bewegungen etwa gegen den Patriot – Act (Gesetz zur Einschränkungen demokratischer Rechte im Namen des Kampfes "gegen den Terrorismus"), gegen die Umweltzerstörung etc. Zusammenfließt.

Der Widerspruch zwischen der Kriegspropaganda der Medienkartelle und –bordelle von CBS über CNN bis zu NBC einerseits und der Meinung der Menschen auf der Straße ist noch viel schärfer als bei uns.

Und die Aktivisten der neuen Antikriegsbewegung lassen sich noch weniger vormachen als die Friedensdemonstranten hierzulande. Sie wissen, daß ihnen eine schwere Aufgabe bevorsteht, denn ihnen ist wohl bewußt, daß sich eine Art globaler Mafia ihrer Regierung bemächtigt hat, und daß es nicht mehr angehen kann, etwa einen Republikaner gegen einen Demokraten auszutauschen, weil beide sowieso aus dem gleichen Stall kommen und an den gleichen schmutzigen Geschäften verdienen.

Die Dreistigkeit, mit der die Öl- und Rüstungsmafia sich des Staates bedient, um ihre eigenen Geldsäckel zu füllen, stellt selbst den legendären Gangster Al Capone in den Schatten, denn dieser "ehrenwerte Patron" war nie Präsident der USA. Auf eine gewisse Weise sind die USA zur "Bananenrepublik" mutiert (so Michael Moore), wo eine verantwortungslose Oligarchie sich nach Belieben Medienkonzerne oder sogar Regierungschefs anderer Länder kauft ( siehe UK oder Spanien), um ihre Absichten durchzusetzen. Es wäre falsch zu glauben, daß das amerikanische Volk das nicht sieht. Die Anzahl der engagierten Bush – Gegner sind Legionen, allerdings ist gewissermaßen die arbeitende Bevölkerung noch nicht zu dem Bewußtsein gekommen, daß sie den Bush-Spuk von einem Tag auf den anderen beenden könnte, wäre sie sich einig. Lange Jahre ging es den Amerikanern relativ gut mit ihrer Zwei-Parteien-Oligarchie, die zwar die ganze Welt ausplünderte, aber dem Durchschnittsamerikaner sein bescheidenes Leben ließ.

Vergessen wir aber nicht, daß die Antkriegsbewegung gegen den Vietnam – Krieg den mächtigen Riesen des US – Imperiums zum Rückzug aus Südostasien zwang, und jene Antikriegsbewegung war klein im Verhältnis zu der Antikriegsbewegung, die jetzt schon in den Straßen der USA angeschwollen ist. Die Menschen haben auch nicht vergessen, wie sie durch Dot.com –Krise (Enron – Pleite etc.) um ihre Ersparnisse gebracht wurden und sie erleben die massiven Angriffe auf ihren Lebensstandard, geschuldet der Tatsache, daß die US – Wirtschaft weltweit längst ins Hintertreffen geraten ist und mittels einer gigantischen Staatsverschuldung auf Pump lebt.

Der eigentliche Entscheidungskampf zwischen der "Achse des Bösen" ( die Bushs, Clintons, Rumsfelds, bin Ladens, etc) und den Gegenkräften für eine lebenswerte Zukunft wird in den USA stattfinden, und es wird unsere Pflicht sein, unsere Schwestern und Brüder jenseits des Großen Teiches dabei zu unterstützen, wie es Michael Moore unlängst schon visionierte, die "ganze Bande" zusammenzutreiben und hinter Schloß und Riegel zu bringen.

In diesem Sinne hoffen wir auf eine konstruktive und produktive transatlantische Zusammenarbeit!

Konrad Argast

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Stand: 05. Mai 2006