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"Was hat man denn gegen den Krieg?
Etwa daß Menschen, die doch einmal sterben müssen, dabei umkommen?" Ist George W. (Dabbeljuh) Bush nun ein imperialistischer Kriegstreiber, wie manche meinen, oder die spätchristliche Reinkarnation des "Heiligen Georg", der als Kämpfer gegen die "Achse des Bösen" den neuzeitlichen "Drachen", nämlich die Führer der "Schurkenstaaten" vernichtet? Man kann den Junior- Bush eigentlich nur verstehen wenn man auch sein christlich- fundamentalistisches Weltbild mit einbezieht, das von einem großen Teil der US- amerikanischen Bevölkerung getragen wird. Etwa 70 Millionen der 280 Millionen US- Amerikaner sind evangelikale fundamentalistisch- rechte Christen, was etwa ein Drittel aller Protestanten, die meist calvinistisch geprägt sind, ausmacht. Speziell in den ehemaligen konföderierten Sklavenhalterstaaten des Südens (Bibelgürtel) ist ihr Einfluss derart groß, dass praktisch niemand in ein öffentliches Amt gewählt werden kann, der sich nicht als praktizierender Christ bekennt. Zwar sind die Kirchen in den USA, anders als die Amtskirchen in Deutschland, nicht säkularisiert, aber die amerikanische Gesellschaft ist sehr religiös geprägt. Fernsehprediger verzeichnen höchste Einschaltquoten und bekennende Atheisten sind selten. Wären die Kirchen in den USA nach deutschem Vorbild säkularisiert, so wäre vermutlich der Nichtbesuch der Gottesdienste ein zu ahndender Straftatbestand.
"Dabbeljuh" ist in einem solchen prekären Umfeld im Süden der USA erzogen worden. Vermutlich wurde er deshalb in seiner spätpubertären Phase zum Alkoholiker. Seine fundamentalistischen Christenfreunde mit dem Fernsehprediger Pat Robertson an der Spitze brachten ihn aber wieder auf den "richtigen Weg" und Bush bekennt sich öffentlich als "wiedergeborener Christ". Diese charismatischen Evangelikalen, die in Europa vielerorts wohl sofort als destruktive Sektierer bezeichnet würden, mit all ihren Endzeitphantastereien, dem Glauben an ein bevorstehendes "Armageddon" und zu erfüllenden Missionen haben ihn daher wesentlich geprägt. Bush setzt damit aber nur eine unselige Tradition fort.
Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu am 3.1. 2003 wie folgt:
"Gerade weil die amerikanische Verfassung der institutionellen Verknüpfung von Staat und Kirche einen Riegel vorschiebt, lassen sich in den USA politische Programme besonders wirksam religiös überhöhen. Dies galt für die Gründer der Republik und setzte sich in Präsidenten wie Woodrow Wilson fort, der wie ein Prediger wirkte, und in Jimmy Carter, der in Sonntagsschulen die Bibel auslegte. Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten sind kaum auszumachen. Die "Verkirchlichung" der Wohlfahrtspolitik, die George W. Bush betreibt, wurde von Bill Clinton initiiert, und in jüngster Zeit kommen die stärksten Argumente für eine auch verfassungsmäßig abgesicherte Wiederannäherung von Staat und Kirche von Senator Joe Lieberman, ein möglicher Präsidentschaftskandidat der Demokraten." Seine Nahostpolitik (und die damit verbundene Unterstützung Israels) ist daher nicht, wie vielerorts behauptet, auf den angeblich großen Einfluss der "Jüdischen Lobby" zurückzuführen (es gibt 6 Millionen Juden in den USA), sondern auf den Einfluss der fundamentalchristlichen alttestamentarischen Vorstellung von "Israel" als "auserwähltem Land". Israel ist sozusagen der Satrapenstaat von den USA als "Gods own country", an das die Mehrheit der Amerikaner glaubt. Dabei tut es nichts zur Sache, dass die meisten Anhänger der "christlichen Rechten" antisemitisch sind. Dies ist insofern kein Widerspruch für sie, da wie die "Bibelexpertin" Kay Arthur, die regelmäßig im Christian Broadcasting Network (CBN) des Fernsehpredigers Pat Robertson auftritt, meint:
"Wir müssen aufhören, politisch korrekt zu sein, und anfangen, biblisch korrekt zu handeln." Amerika solle sich eindeutig auf die Seite Israels schlagen. "Überall in der Heiligen Schrift hat Gott viel zu sagen über jene Nationen, die sich gegen Israel verbünden, und darüber, was mit ihnen künftig geschehen wird." Das sehe man bei den Propheten Hesekiel und Zacharias, in Genesis und Exodus. Gott habe Abraham versprochen: "Wer dich verflucht, dem will ich auch fluchen", und im Buch Zacharias heißt es, Gott wolle eines Tages "trachten, alle Völker, die gegen Jerusalem anrüsten, zu vernichten". Auch die Innenpolitik der Bush-Regierung wird zunehmend vom calvinistischen Glauben an die "Prädestination" und immer weniger von humanistischen Idealen wie die der Gerechtigkeit bestimmt. Unverhohlen kann die Steuerpolitik dem Matthäus-Prinzip folgen ("wer hat, dem wird gegeben"), weil Wohlstand als Zeichen gottgefälliger Lebensführung interpretiert wird. Hinzu kommt die zunehmende Entstaatlichung der Wohlfahrtspolitik, welche die Fürsorge für die Armen und Unterprivilegierten mehr und mehr den christlichen Kirchen, überantwortet. Was wundert es da noch, wenn auch in der Außenpolitik andere Maßstäbe gelten. Selten jedoch wurde sie so religiös verbrämt wie unter der Bush- Administration. Einem weltweiten Terrorismus, der seine Verbrechen religiös rechtfertigt, stellt sich die einzig verbliebene Supermacht als Racheengel entgegen, der zum Endkampf zwischen Gut und Böse aufruft als ob es im Irak-Konflikt nicht in erster Linie um die Sicherung der Ölreserven im Nahen Osten ginge. Um von geostrategischen Interessen abzulenken, tritt ein rabiater Messianismus an die Stelle einer vernünftigen Politik. Nicht Weltverschwörungstheorien nach Art der Illuminaten des beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts, die in den USA und anderswo Hochkonjunktur haben, erklären die Vorgänge um den 11. September 2001, sondern der Einfluss der christlichen Fundamentalisten- Lobby auf die Amtsgeschäfte Bushs. Beispielsweise zitiert die "Neue Solidaritaet" in ihrer Ausgabe vom 22.5.2002 (Nr. 21) einen Artikel des amerikanischen Publizisten Mark Burdman. Er schreibt auszugsweise:
Beispiele aus der letzten Zeit zeigen, wie die "Fundamentalisten-Lobby" Druck auf die Regierung ausübt. Das erste war ein Geheimtreffen im Weißen Haus am 30. Juli 2001 (sechs Wochen vor dem 11. September). Christliche Fanatiker, die für einen Nahostkrieg waren, und jüdische Gleichgesinnte trafen Bushs Verbindungsmann Tim Goeglein. Ein Teilnehmer, Herb Zweibon von der Extremistengruppe "Americans for a Safe Israel", enthüllte einem Journalisten, der Sinn des Treffens sei gewesen, Bush politisch unter Druck zu setzen: Wenn er Ariel Scharon nicht grünes Licht für einen Krieg gebe, werde er bei den christlich-fundamentalistischen Wählern in große Schwierigkeiten kommen. Es gebe 70 Millionen solcher Amerikaner, sagte Zweibon, und wenn sich nur ein Zehntel davon fest hinter "unsere Ziele" stelle, sei das "eine enorme Kraft". Man habe Bushs Verbindungsmann gesagt, George Bush senior habe die Wiederwahl zur Präsidentschaft verloren, weil er Versprechen gegenüber Israel gebrochen habe. Wenn Bush nicht mitmache, werde ihn das "politisch zugrunde richten". Organisator des Treffens war der protestantische Fundamentalist Ed McAteer, der Vorsitzende des Religious Roundtable. McAteer förderte in den 80er Jahren als Verbindungsmann nach Israel Waffengeschäfte in Oliver Norths Iran-Contra-Operationen. Auch der Mitbegründer des Roundtable von katholischer Seite, Paul Weyrich, ist tief in Operationen des US-Militärgeheimdienstes verwickelt. Die Teilnehmer kamen u.a. von Pat Robertsons CBN, der International Christian Embassy in Jerusalem und der Zionist Organization of America. Der Vertreter von Christian Friends of Israel, Elwood McQuade, sagte später, er sei unbedingt dafür, den "Tempel Salomos" wiederaufzubauen, und schimpfte auf die amerikanische Regierung, weil sie gegen die "Tempelbergaktivisten" ist, die dies in Jerusalem versuchen. McQuade behauptete, wenn man das "jüdische Anrecht auf den Tempelberg" - Al Haram Al Scharif, mit dem zweithöchsten moslemischen Heiligtum, dem Felsendom - bestreite, sei das so, als leugne man den Holocaust. Christentum und Judentum hätten einen gemeinsamen Feind, den Islam.... Vom 21.-23. April 2002 fand dann die bisher größte Versammlung von AIPAC mit bis zu 4000 Delegierten statt. Die Hälfte der amerikanischen Senatoren und ein Drittel der Kongreßabgeordneten kamen. Besonders viel Beifall erhielt der republikanische Abgeordnete Tom Delay aus Texas, ein "wiedergeborener Christ", der sich hier zionistischer gab als die Zionisten und kürzlich mit dem Abgeordneten Tom Lantos aus Kalifornien ein Bündnis für Israel/Scharon bildete. Daß Delay noch vor kurzem öffentlich erklärt hatte, nur Christen würden "erlöst", hatten die jüdischen AIPAC-Mitglieder wohl schon vergessen. Am 3. Mai2002 trafen sich am Vorabend von Scharons USA-Besuch 250 "christliche Führer" aus ganz Amerika in der israelischen Botschaft in Washington. Der "christliche Rechte" Gary Bauer sagte: "Es bilden sich sehr interessante Bündnisse. Viele Evangelikale glauben, daß das Land Israel das Gelobte Land ist, das Gott dem jüdischen Volk versprochen hat... Ich sehe Israel, wie Großbritannien, als Verteidiger der westlichen Zivilisation." Was hilft es also gegen die Bush- Politik zu demonstrieren, solange die Ursache dieser chauvinistischen Politik nicht öffentlich gemacht wird, seine "christlichen Wurzeln"? Säße nicht Bush auf dem Präsidentensessel, so wäre es eben irgend ein anderer. Und der wäre im Netz der "christlichen Rechten" genauso verstrickt und gefangen. Was also soll geschehen? Der religiöse Einfluss auf die Politik muss zurückgedrängt werden, in den USA und weltweit. Die Verbindungen der Politiker zu religiösen Eiferern muss öffentlich gemacht werden. Weltbürger vereinigt euch und werft die Gotteskrieger aus den Amtsstuben. Schickt die Pfaffen (und Mullahs und Rabbis) zurück in die Kirchen (und Moscheen und Synagogen). Damit Frieden einkehre im Land....und weltweit! (pt.2003) |
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