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Die Geschichte kennt viele Kreuzungspunkte, wo sich historische Schicksale schicksalhaft begegnen. Eine bedeutende und auch tragische Figur ist der römische Kaiser Julian, dessen persönliche Geschichte hier kurz erzählt werden soll. Das Römische Reich zur Zeit Konstantins "des Großen"Wir sprechen vom 4. Jahrhundert nach christlicher Zeitrechnung. In den ständigen Bürgerkriegen um die Oberherrschaft im Römischen Reich siegte Konstantin im Jahr 312 an der milvischen Brücke in Rom einen Sieg gegen seinen Schwager und Konkurrenten Maxentius und bekehrte sich danach zum Christentum. Die christliche Legende lässt ihm schon in Gallien und wiederholt in Rom im Traum das Christus-Monogramm mit den Worten "in hoc signo vinces", "in diesem Zeichen wirst du siegen" erscheinen, worauf Konstantin dies auf die Feldzeichen schreiben ließ. Realer Hintergrund dieser "Bekehrung" war freilich die Tatsache, daß die Heeresverbände, auf die Konstantin sich stützte, zu einem großen Teil aus christlichen Soldaten bestand. 313 gewährte Konstantin im Edikt von Mailand jedem Bürger des Reiches das Recht auf freie Religionsausüung. Konstantin besiegte 324 den Kollegen Licinus und ließ ihn töten. Als Alleinherrrscher förderte er nun energisch und einseitig das Christentum. Er gab den christlichen Bischöfen richterliche Befugnisse und setzte den Sonntag als den wöchentlichen Feiertag fest. Er berief das Konzil von Nicäa ein, wo er als Ungetaufter Machtworte in den ständigen Richtungsstreitigkeiten des Christentum sprach. Konstantin war ein eiskalter Machtmensch, der das Christentum instrumentalisierte, um das niedergehende Römische Reich vor dem Verfall zu retten. Es ist schlichte Geschichtsklitterung, wenn die christliche Geschichtsschreibung behauptet, daß mit Konstantin die Verhältnisse im Römischen Reich friedfertiger, humaner und gerechter wurden, daß etwa so etwas wie Religionsfreiheit eingeführt wurde. Das Gegenteil war der Fall. Seine Handlungen waren durchweg geleitet vom Ziel, die Macht auszubauen; alle Mitkaiser, selbst die eigene Frau ließ er zu diesem Zweck ermorden. 324 erklärt er das Christentum zur einzigen offiziellen Religion des römischen Reiches. So ordnete 325 er mit der Vernichtung der Schrift des Porphyrios "Gegen die Christen" erstmals eine Bücherverbrennung im Interesse des Christentums an. In Dydima, Kleinasien, lässt er das Orakel Apollons schließen und die heidnischen Priester zu Tode foltern. Er vertreibt außerdem alle Heiden vom Berg Athos und zerstört dort alle hellenischen Tempel. 326 zerstört er auf Anweisung seiner Mutter den Tempel des Asklepios in Aigeai, Kilikien, und zahlreiche Tempel der Aphrodite in Jerusalem, Aphaka, Mambra, Phönizien, Baalbek usw. 330 raubt er die Schätze und Statuen der heidnischen Tempel Griechenlands, um damit seine neue Hauptstadt Nova Roma (Konstantinopel) zu schmücken. 335 lässt er zahlreiche heidnische Tempel in Kleinasien und Palästina schließen und ordnet die Hinrichtung durch Kreuzigung für "alle Magier und Wahrsager" an (Märtyrertod des neoplatonischen Philosophen Sopatros). 337 starb Konstantin, angeblich auf dem Totenbett getauft. Nach seinem Tod brachen unter den nunmehr christlichen Nachfolgern blutige Bürgerkriege aus. Flavius Claudius IulianusIulianus, ein Neffe Constantin d.Gr., war nach dem Tode Constantins d.Gr. 337 als Fünfjähriger knapp einem Massaker entgangen, das im Zuge dieser Machtkämpfe den Vater Iulians und alle männlichen Verwandten des Hauses ausrottete - bis auf Iulian und dessen Stiefbruder Gallus. Der Erziehung des Waisen nahm sich der arianische Bischof Eusebius von Nikomedien an. Als Eusebius 339 zum Bischof von Konstantinopel ernannt wurde, kehrte auch J. mit ihm dorthin zurück. Seine Ausbildung lag hier in den Händen des Eunuchen Mardonios, den er später als den Lehrer lobt, der ihn in die griechische Dichtung und Philosophie eingeführt hatte. Zugleich wurde J. von dem Lakonier Nikokles in der Grammatik und von dem christlichen Philosophen Hekebolios in der Rhetorik unterwiesen. Hekebolios nahm ihm, wahrscheinlich auf Veranlassung des Kaisers Constantius hin, das Versprechen ab, keine Vorlesungen bei heidnischen Gelehrten zu hören. In Nikomedien lernte J. auch den heidnischen Philosophen Libanios kennen, dessen Vorlesungen er zwar, seinem Versprechen getreu, nicht besuchte, dessen Schriften er sich aber zu besorgen wußte. Der christliche Gewaltherrscher Constantius II läßt Iulian ab 345 auf einem entlegenen Landgut in Cappadokien im christlichen Glauben erziehen. Aber Iulian studiert heimlich auch die heidnischen Klassiker, abgestoßen von den Bluttaten der christlichen Bürgerkriegsparteien. Nach dem Tod des Constans im Jahre 350 berief Constantius, der nicht mehr auf eigene Nachkommenschaft hoffen konnte, J.s Bruder Gallus nach Konstantinopel und ernannte ihn 351 zum Caesar. In Pergamon fand er Kontakt zu den Kreisen der Neuplatoniker um Aidesios von Kappadokien, Eusebios von Myndos und Chrysanthios von Sardes fand. Seine Begeisterung für die griechische Klassik erreichte ihren Höhepunkt in der Begegnung mit Maximos von Ephesus, unter dessen Einfluß er sich innerlich vom Christentum ab- und den heidnischen Mysterien zuwandte, obwohl er seinem kaiserlichen Bruder zuliebe in der Öffentlichkeit weiterhin ein christliches Leben führte. Während der folgenden Jahre stiller Zurückgezogenheit in Nikomedien widmete sich J. dem Studium neuplatonischer philosophischer Schriften, während seine Freunde in ihm die Idee einer Reform des Hellenismus und einer Rückkehr zum klassischen Griechentum erweckten. Diese Zeit der Studien erlitt eine rohe Unterbrechung, als sein Bruder Gallus 354 von Constantius hingerichtet und Julian gefangen gesetzt und nach Mailand gebracht wurde. Die Welt des christlichen Kaisers, der die Anhänger des antiken Götterkultes mit der Todesstrafe bedrohte, mußte dem jungen Prinzen als eine brutale Gegenwelt erscheinen, die seinen philosophischen Idealen feindlich gegenübertrat. Als er nach einem halben Jahr mit der Erlaubnis, nach Bithynien zurückzukehren, aus der Haft entlassen wurde, wandte er sich nur umso heftiger der antiken Religion und den Mysterienkulten zu, obwohl er nach außen hin weiter die christlichen Gebräuche beibehielt. Während eines Aufenthaltes in Athen 355 ließ er sich in die eleusinischen Mysterien einführen. Auch dem Mithraskult war er in besonderer Weise zugetan. Im Zentrum seines persönlichen Glaubens stand eine Form von Sonnenverehrung: die Sonne, der Gott Helios, erschien ihm als Quell und Urheber aller zeugenden Kraft und Intelligenz. 354 wird er an den Mailänder Hof zitiert. Bereits im Oktober 355 befand sich J. aber wieder in Oberitalien, wo er im November die Cäsarenwürde erhielt, um als Befehlshaber des römischen Heeres in Gallien die Einfälle der Alamannen und Franken abzuwehren. Constantius II ernennt seinen Neffen zum Caesar des Westens und schickt ihn Anfang Dezember 355 mit einer Elitetruppe von Mailand nach Gallien. Damit kreuzen die Wege Julians das Schicksal Nemetiens. Das Land der Nemeter im 4. Jahrhundert n Chr.Im 3. Jahrhundert war ganz Gallien einschließlich des Rheintals Schauplatz einer Sezession (Abspaltung) vom Römischen Reich gewesen, das sogenannte "Gallische Sonderreich", das erst 274 von den Römern wieder zurückerobert worden war. Doch der Freiheitswille war noch lebendig in den Völkern beiderseits des Rheines. Da der christliche Kaiser Constans bei der Bevölkerung verhaßt war, wurde der von barbarischen (gallisch-germanischen) Eltern abstammende Flavius Magnus Magnentius in Gallien zum Augustus ausgerufen (350). Die Bürgerkriege im Römischen Reich veranlassen den Völkerverband der Alamannen 352, den Rhein zu überschreiten und sich im heutigen Elsaß und der heutigen Pfalz festzusetzen. Ihnen kommt zugute, daß die fähigsten römischen Feldherren Intrigen und Bürgerkriegen zum Opfer fallen. Nemetien war also ab 352 zum größten Teil nicht mehr römisch, sondern alemannisch. Die Alamannen brennen die zahlreichen römischen Landgüter nieder, die römischen Aristokraten gehörten, die ihnen stammverwandte Bauernbevölkerung war ihnen wahrscheinlich nicht feindlich gesinnt, brachten sie doch Befreiung vom römischen Steuerjoch. Julian gegen die Alamannen
Schlacht bei Straßburg 357Die Alamannenfürsten schicken Gesandte zu Iulian nach Zabern (arr.Saverne) mit der Forderung: "Die Römer sollten das linke Rheinufer räumen !" Iulian hält die Gesandten zurück. Daraufhin überschreiten die Alamannen unter dem Oberbefehl des Chnodomar in der zweiten Augusthälfte 357 den Rhein wahrscheinlich bei Seltz und rücken gegen Straßburg vor. Es kommt zur Schlacht bei Straßburg (zwischen Ittenheim und Oberhausbergen). Iulian siegt, Chnodomar wird gefangengenommen und nach Rom geschickt. Iulian nutzt den Sieg, marschiert nach Mainz, überquert den Rhein auf einer Schiffsbrücke und operiert bis zum Einbruch des Winters im unteren Maingebiet. Auf dem Rückmarsch läßt er ein von Traian erbautes munimentum wiederherstellen (Ladenburg/Civitas Ulpia Sueborum Nicretum ?) und schließt mit alamannischen Fürsten Verträge. Julian befriedet das RheintalAuch in den beiden folgenden Jahren sucht Iulian die Alamannenfürsten in ihren rechtsrheinischen Gebieten auf. Im Sommer 358 verlangt er von dem Fürsten Suomar im unteren Maingebiet die Auslieferung aller Gefangenen und fordert Getreidelieferungen für das römische Heer. Noch im gleichen Jahr führt er seine Truppen wahrscheinlich von Speyer aus in das Gebiet des Hortar (im Kraichgau ?). Auch Hortar muß alle Gefangenen herausgeben und für den Wiederaufbau der von den Alamannen zerstörten linksrheinischen Städte Bauholz liefern und Fuhrwerke zur Verfügung stellen. Mit einem Überraschungsangriff 359 wahrscheinlich in der Gegend von Speyer gelingt Iulian ein Vorstoß in das Gebiet des Hortar. Iulian führt seine Truppen bis zum ehemaligen vorderen Limes, sehr wahrscheinlich in die Gegend von Öhringen (Hohenlohekreis). Der Heereszug erreicht den vorderen Limes "in der Gegend, die Cappelatium oder Palas genannt wird, wo Grenzsteine der Römer und Burgunder Gebiet scheiden" (Ammian XXVIII 2,15). In einem Lager am Limes empfängt Iulian die von der unteren Lahn und dem Main angereisten Alamannenfürsten Makrian und Hariobaudus. Aus dem Breisgau kommt Vadomar und bittet auch im Namen der Fürsten Urius, Ursinicus und Westralph (vom mittleren und oberen Neckar) um Frieden. Iulian gewährt diesen unter der Bedingung, daß sie Gesandte schicken und versprechen, alle Kriegsgefangenen herauszugeben. Iulian soll auf seinen Feldzügen 20 000 römische Soldaten aus der Gefangenschaft der Alamannen befreit haben. . Offensichtlich begnügt sich Julian nicht mit militärischen Siegen, sondern er versucht die rebellischen Völker des Mittel und Oberrheines für eine dauerhafte Friedensregelung zu gewinnen Er nennt sich jetzt Alamannicus. Iulian Alamannicus wird KaiserDie Grenzsicherungen wurden wieder aufgebaut, denn der Limes war für das 4. Jahrhundert mehrheitlich die Grenze zwischen Römern und Barbaren, die es zu sichern galt. Mit der Instandsetzung und Sicherung des Limes erfüllte Julian eine wichtige Aufgabe zur Stabilisierung des Reiches. Ebenso ließ Julian Städte, die in den Jahren zuvor von Alamannen und Saliern zerstört worden waren, wiederaufbauen, er besserte die Straßen aus und kümmerte sich um die Rechtspflege. Der Historiker Ammian fand dafür Worte der Anerkennung: ,, Obwohl Julian so eifrig um die Ordnung der zivilen Angelegenheiten bemüht war, vernachlässigte er doch das Militärwesen nicht. Den Truppen gab er langerprobte Befehlshaber. Ja, sogar alle Städte in Thrakien und die entlegensten Festungen ließ er wieder instand setzen und achtete aufmerksam darauf, daß weder Waffen und Bekleidung noch Löhnung und Verpflegung den Soldaten fehlten, die an den Ufern der Donau stationiert waren und den Einfällen der Barbaren Widerstand leisteten und, wie er sich berichten ließ, dabei wachsam und tatkräftig zu Werke gingen." Julian warb viele Franken und Alamannen, die westlich des Rheins lebten, für sein Heer. Er mußte ihnen aber dafür das Versprechen geben, daß sie niemals zum Kriegseinsatz jenseits der Alpen geschickt werden würden. Die Bewohner des Landes weigerten sich also, außer zur Landesverteidigung für Rom in den Krieg zu ziehen. Der offizielle Kaiser Constantius hatte aber an der Perserfront empfindliche Truppenverluste hinnehmen müssen und so forderte er von Julianus die besten Truppenkontigente an : ,, ... er [Constantius] sandte den Tribun und Sekretär Decentius, um von Julian Hilfstruppen zu nehmen, namentlich die Aerulier und Batavier ..., so wie weiters 300 ausgewählte Männer von jeder der anderen Divisionen der Armee". Als aber daraufhin die gallisch-germanischen Soldaten revoltierten, sprach Julian zu ihnen. Er begründete gegenüber den Soldaten die Forderung Constantius` mit dessen Augustuswürde. Daraufhin riefen die Truppen Julian eigenmächtig zum Augustus aus. Im Februar oder März 360 wurde Julian nach germanischem Ritual auf den Schild gehoben und erhielt einen keltischen Wendelring (torques) als Diadem aufs Haupt gedrückt. Dies ist ein bedeutsamer Vorgang, denn die gallisch-germanische Bevölkerung des Rheintales erhob Julian dadurch unter Verwendung ihrer eigenen Riten und Symbole zu einem von ihnen anerkannten Herrscher. Aus Feinden wurden Freunde. In der Folge wurden die Spannungen zwischen Julianus und Constantius größer, und so rüsteten beide zum Entscheidungskampf. Julian brach im Jahr 361 zum Bürgerkrieg in den Osten auf. Als er in Dakien stand und nicht weiter vorzurücken wagte, erschienen zwei gotische Reitergeneräle des Constantius mit der Nachricht, daß ihr Herr gestorben sei (3. 11. 361) und daß er Julian zum Nachfolger bestimmt hatte Iulian war damit Alleinherscher. Der ReformkaiserDas Epiphaniasfest 361 hatte er noch in der Kirche gefeiert - danach legte er die christliche Maske ab und stellte den Kriegszug gegen Constantius unter den Schutz der antiken Götter. Während er dem kaiserlichen Heer in Eilmärschen entgegenzog, ließ er bereits alle geschlossenen Tempel wieder eröffnen. Aber es kam ja nicht zu der kriegerischen Auseinandersetzung mit Constantius. J. zog am 11.12. 361 als Alleinherrscher in Konstantinopel ein und begann sofort, die Grundlagen für weitgehende Reichsreformen zu legen. Sein Toleranzgesetz stellte die Religionsfreiheit wieder her und nahm den Christen ihre privilegierte Stellung. Sodann verfügte er die Entfernung aller Christen aus dem Hof- und Staatsdienst, besonders in der kaiserlichen Garde sollten keine Christen mehr dienen. Heereszeichen und Münzen trugen wieder die heidnischen Symbole. Neuplatonische Philosophen eilten an den Hof des neuen Kaisers. Heidnische Kulte wurden erneuert, heidnische Priester eingestellt, zerstörte und halbzerstörte Tempel wurden wieder aufgebaut. Die Sonderrechte des christlichen Klerus wurden dagegen aufgehoben. Julians Ziel war eine heidnische Kirche nach dem Vorbild der christlichen. In diese Richtung weist auch Julians Befehl, sogar den jüdischen Tempel in Jerusalem wieder aufbauen zu lassen, was allerdings nicht mehr verwirklicht werden konnte. An den Rhein kehrte er nicht mehr zurück. Dafür verkündete er religiöse Toleranz, Glaubensfreiheit und Restauration der heidnischen Kulte im Römischen Reich. Diese Glaubensfreiheit hatte zum ersten Mal keine Einschränkungen mehr. Es sei daran erinnert, daß dieser Zustand erst im 20. Jahrhundert wieder erreicht wurde nach 16 Jahrhunderten christlicher Dominanz. Julian über das ChristentumJulian versuchte dem gerade erst erstarkten Christentum ein im neuplatonischen Geist erneuertes Heidentum entgegenzustellen, was ihm die Christen nie verziehen. Einige seiner Thesen, die sich teilweise nur aus den Schriften seiner Feinde rekonstruieren lassen:
Julians merkwürdige TodesumständeDa J. sich durch die Persergefahr im Osten
seines Reiches gezwungen sah, vom Beginn seiner Herrschaft an zu einem neuen Krieg zu
rüsten, konnten seine Reformen nicht mit der ihm ansonsten eigenen Schnelligkeit
durchgeführt werden. Am 5. 3. 363 brach Julian mit 80 000 - 90 000 Mann nach Persien auf.
Er überschritt den Euphrat und zog am linken Ufer stromabwärts. Julian konzentrierte
sich auch in Persien auf Vorstöße ins Feindesland, ähnlich wie gegen die Franken und
Alamannen. Er zog samt seinem Heer und seiner Flotte, die den Nachschub mittransportierte,
gegen die Hauptstadt des Feindes. Je näher er ihr kam, desto erbitterter wurde der
Widerstand. Unter den Mauern von Ktesiphon kam es zur Schlacht, die Perser wurden besiegt.
Vor einer Belagerung aber scheute Julian zurück. Daraufhin zog er den Tigris
stromaufwärts. Die Flotte, die daraufhin gezogen hätte werden müssen, ließ er
verbrennen. Somit wurde die Nahrungsmittelversorgung zum Problem. Ebenso bereiteten die
ständigen Angriffe persischer Reitereien Schwierigkeiten. Nach einigen Gefechten, die er
siegreich geführt hatte, traf ihn in einer Schlacht am 26.6.362 ein Speer. Er starb im
Alter von 32 Jahren, nur eine Stunde nach seiner Verwundung. Einen Tag später schmähten
die Perser die Römer, ihren eigenen Kaiser getötet zu haben. Bis heute bleibt es
ungeklärt, ob J. durch einen feindlichen Speer starb oder ob ein Christ im römischen
Heer den Kaiser tötete. Auch die Christen unter den Berichterstattern sind sich darüber
nicht einig. Vieles deutet auf letzeres. Die Christen, die sich seit Konstantin dem
Großen schon im Besitz der absoluten Macht glaubten, haßten Julian mit Inbrunst. Er ging
als der große Abtrünnige "Apostata" in die christliche Geschichte ein. Platte
christliche Propagandalegenden berichten, Iulian habe, tödlich getroffen, Blut von seiner
Wunde in die Hand träufeln lassen und es wie ein Spendeopfer ausgegossen mit den Worten:
"Galiläer, du hast gesiegt!" Mit Galiläer soll er Christus gemeint haben. Nach Julian: Europa wird gewaltsam bekehrt364 befiehlt der neue Kaiser Flavius
Iovianus, der eventuell in die Ermordung Julians verwickelt war, die Bibliothek von
Antiochia niederzubrennen. Ein kaiserliches Edikt (11. September 364) ordnet die
Todesstrafe für alle Heiden an, die die Götter ihrer Vorfahren verehren oder Weissagung
ausüben ("sileat omnibus perpetuo divinandi curiositas"). Die Christianisierung rettet das Imperium nichtDie Hoffungen der römischen Aristokratie, durch die religiöse Uniformierung des Römischen Reiches durch die neue, willfährige christliche Religion und ihrer zu politischen Potentaten mutierten Bischöfe den Zerfall des Römischen Reiches aufzuhalten, erfüllten sich nicht. Der von Julian so erfolgreich begonnene Feldzug gegen die Perser brach kläglich zusammen. Das weströmische Imperium sollte keine 100 Jahre mehr zu leben haben. Und in Mitteleuropa wurden nach 389 n.Chr. die römischen Truppen vom Rhein abberufen. Dadurch war es den Alamannen möglich, weitere Teile Ostgalliens (heutige Nordschweiz und Elsass) einzunehmen. Eine neue Phase begann für Nemetien, Nemetien war nun Teil des alamannischen Reiches, das eine freie Föderation der Völker Süddeutschlands darstellt. Von den blutigen Heidenverfolgungen und Bürgerkriegen im Römischen Reich blieb Nemetien vorerst verschont, bis eine neue imperialistische Macht sich erhob und im Bündnis mit der machtgierigen römisch-katholischen Kirche fast ganz Europa unterwarf das Frankenreich. Aber das ist eine andere Geschichte. Würdigung der Gestalt Kaiser JuliansZweifellos ist Kaiser Julian kein Vorkämpfer der Völkerfreiheit gewesen, vielmehr war er für wenige Jahre der Imperator des Reiches, das zahllose andere Völker unterworfen und geknechtet hatte. Doch unter all den blutrünstigen Gestalten der damaligen Zeit ragt er heraus als ein Mensch mit erstaunlich moderner Denkungsweise, hineingeworfen in die mächtigste Rolle der damaligen Zeit. Gegen die unabhängigen Völker des Rheintales, die Nemeter und andere, führte er zwar Krieg, aber er versuchte sie auch durch Verträge, Bündnisse und Erleichterungen der steuerlichen Lasten für das Reich zu gewinnen, entfaltete eine rege Bau- und Kulturtätigkeit. Dies dankten ihm diese Völker, indem sie ihn mit ihren rituellen Symbolen zum Kaiser erhoben. Er versuchte vergeblich, die damalige Welt zu früheren Idealen zurückzuführen und so ihrem Verfall entgegen zu wirken. Daß unter Julian zum ersten Male wirkliche Glaubensfreiheit herrschte, erhebt ihn unter allen römischen Cäsaren. Schon bald nach seinem frühen Tod fiel er den erbarmungslosen Federn rachsüchtiger christlicher Autoren anheim, die ihn als Unmenschen und Inbegriff alles Bösen charakterisierten und "Apostata" nannten, den Abtrünningen. Seine Schriften wurden haßerfüllt verboten, verbrannt und sind uns fast nur noch durch seine Feinde überliefert. Selbst diese konnten das Bild dieses großen tragischen Menschen nicht vollends entstellen. Öfters wies Julian darauf hin, daß Alexander der Große auf die Frage, wo er seine Schätze habe, freundlich antwortete: "Bei meinen Freunden." Dem großen Kaiser Julian, der in einer wirren Zeit in einem schweren Amte für Menschlichkeit und Gedankenfreiheit eintrat, sei hiermit im Herzen Nemetiens ein Denkmal gesetzt. |
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