Archiv der Pintausgaben 2000 - 2006

Nemetische Heimatzeitung

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Auf dem Weg zu einen neuen Matriarchat?

 

 

 

erschienen in der NHZ Nr. 2, 2001

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In der Gemeinschaftsbewegung wird die These von einem anzustrebenden Matriarchat diskutiert.

Dazu einige Überlegungen.

  1. Wir befinden uns historisch bereits jenseits der Endphase des Patriarchats. Real ist das Patriarchat bereits gefallen, es überdauern lediglich noch Relikte des alten Kulturverständnisses.
  2. Der historische Vormarsch des Patriarchats als kulturelle Gestaltungsnorm fiel zusammen mit dem Entstehen der sogenannten dominatorischen Gesellschaftsformen. Diese wiederum brachten auf sozialem Gebiet die Klassengesellschaften und auf spirituellem Gebiet den dogmatischen Monotheismus mit sich. Auch diese Erscheinungen sind an ihrem geistesgeschichtlichen Ende angelangt.
  3. Der Begriff Matriarchat wird vielfach auch als Kampfbegriff der spätfeministischen Bewegung verwendet, als die "gute" Kulturform gegenüber dem destruktiv – männlichen "bösen" Prinzip des Patriarchats, in das die Menschheit aufgrund eines nebulösen Sündenfalls verfallen wäre. Diese dualistische Ansicht ist für unsere Betrachtungen der künftigen Kultur wenig tauglich. Das Auftreten des Patriarchats war eine historische Gesetzmäßigkeit, die einem bestimmten Stand der gesellschaftlichen Entwicklung in der Antike entsprach. Gleichwohl ist wahr, daß die Antike vorbei ist.
  4. Stammesstrukturen seßhafter Völker entspricht in jedem Fall eine matriarchale Kultur, die auf den weiblichen Kardinalstärken der sozialen Kompetenz, der Empathie und der Konsensfindung beruht. Gleichwohl sind diese Stärken in der heutigen Entwicklung keineswegs mehr an das weibliche Geschlecht gebunden, ebensowenig wie die Rationalität und die Zielstrebigkeit an das männliche.
  5. Stabile und konstruktive Kommunikationsbeziehungen unter den Frauen eines Stammes fördern in jedem Fall die Stabilität der emotionalen Infrastruktur. Es ist nichts dagegen zu sagen, daß eine in der Vergangenheit bewährte Strukturform ihre Rekonstruktion findet. Anders ausgedrückt: in einer Stammesgemeinschaft ist eine kommunikative Dominanz der Frauen durchaus begrüßenswert.
  6. Nach verschiedenen Auffassungen beginnen wir derzeit das sogenannte Horus – Zeitalter, in dem die Gegensätze zwischen Männlich und Weiblich ihre Aussöhnung finden. Wäre es da nicht sinnvoll, sowohl die positive Essenz des Patriarchats als auch die positive Essenz des Matriarchats in einer neuartigen Kombination zu implementieren. Dies kann für eine Stammesstruktur nur bedeuten, daß die Solidarität innerhalb der Geschlechter die Solidarität zwischen den Geschlechtern ergänzen muß.

Insgesamt ziehe ich in der historischen Betrachtung den Begriff der gylanischen Kultur (Riane Eisler) dem Begriff Matriarchat vor. Trotzdem ist nichts dagegen zu sagen, den Begriff Matriarchat positiv und jenseits des Geschlechterkampfes neu zu besetzen

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Stand: 05. Mai 2006