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Auf
dem Weg zu einen neuen Matriarchat?
erschienen in der NHZ Nr. 2, 2001 |
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In der Gemeinschaftsbewegung wird die These von einem
anzustrebenden Matriarchat diskutiert.
Dazu einige Überlegungen.
- Wir befinden uns historisch bereits jenseits der Endphase des
Patriarchats. Real ist das Patriarchat bereits gefallen, es überdauern lediglich noch
Relikte des alten Kulturverständnisses.
- Der historische Vormarsch des Patriarchats als kulturelle
Gestaltungsnorm fiel zusammen mit dem Entstehen der sogenannten dominatorischen
Gesellschaftsformen. Diese wiederum brachten auf sozialem Gebiet die Klassengesellschaften
und auf spirituellem Gebiet den dogmatischen Monotheismus mit sich. Auch diese
Erscheinungen sind an ihrem geistesgeschichtlichen Ende angelangt.
- Der Begriff Matriarchat wird vielfach auch als Kampfbegriff
der spätfeministischen Bewegung verwendet, als die "gute" Kulturform gegenüber
dem destruktiv männlichen "bösen" Prinzip des Patriarchats, in das die
Menschheit aufgrund eines nebulösen Sündenfalls verfallen wäre. Diese dualistische
Ansicht ist für unsere Betrachtungen der künftigen Kultur wenig tauglich. Das Auftreten
des Patriarchats war eine historische Gesetzmäßigkeit, die einem bestimmten Stand der
gesellschaftlichen Entwicklung in der Antike entsprach. Gleichwohl ist wahr, daß die
Antike vorbei ist.
- Stammesstrukturen seßhafter Völker entspricht in jedem Fall
eine matriarchale Kultur, die auf den weiblichen Kardinalstärken der sozialen Kompetenz,
der Empathie und der Konsensfindung beruht. Gleichwohl sind diese Stärken in der heutigen
Entwicklung keineswegs mehr an das weibliche Geschlecht gebunden, ebensowenig wie die
Rationalität und die Zielstrebigkeit an das männliche.
- Stabile und konstruktive Kommunikationsbeziehungen unter den
Frauen eines Stammes fördern in jedem Fall die Stabilität der emotionalen Infrastruktur.
Es ist nichts dagegen zu sagen, daß eine in der Vergangenheit bewährte Strukturform ihre
Rekonstruktion findet. Anders ausgedrückt: in einer Stammesgemeinschaft ist eine
kommunikative Dominanz der Frauen durchaus begrüßenswert.
- Nach verschiedenen Auffassungen beginnen wir derzeit das
sogenannte Horus Zeitalter, in dem die Gegensätze zwischen Männlich und Weiblich
ihre Aussöhnung finden. Wäre es da nicht sinnvoll, sowohl die positive Essenz des
Patriarchats als auch die positive Essenz des Matriarchats in einer neuartigen Kombination
zu implementieren. Dies kann für eine Stammesstruktur nur bedeuten, daß die Solidarität
innerhalb der Geschlechter die Solidarität zwischen den Geschlechtern ergänzen muß.
Insgesamt ziehe ich in der historischen Betrachtung den
Begriff der gylanischen Kultur (Riane Eisler) dem Begriff Matriarchat vor. Trotzdem ist
nichts dagegen zu sagen, den Begriff Matriarchat positiv und jenseits des
Geschlechterkampfes neu zu besetzen
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