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Oneida ist eigentlich der Name einer nordamerikanischen indianischen Nation (im Sinne von: Zusammenschluß mehrerer Stämme), siehe http://www.oneida-nation.net/ oder http://www.oneidanation.org/. Oneida ist aber auch der Name einer 1848 gegründeten historischen Gemeinschaftssiedlung von sogenannten “Bibel-Kommunisten” gewesen. Die von John Noyes gegründete Oneida-Gemeinschaft (auch als Perfektionisten bezeichnet) im US-Bundesstaat New York pflegte eine Form der Gruppenehe, die man „komplexe Ehe" nannte und in der theoretisch jede Frau mit jedem Mann verheiratet war. Die Gemeinschaft praktizierte auch eine Form „wissenschaftlicher Fortpflanzung", bei der die zukünftigen Eltern nach Gesichtspunkten der körperlichen und geistigen Gesundheit von der Gemeinschaft festgelegt wurden. Immerhin hatte die Oneida Community 32 Jahre lang, von 1848 bis 1881 Bestand. Dann wurde sie in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.Das Schlüsselwort ihrer perfektionistischen Weltanschauung hieß: „Verbesserung“. Ein anderer Aspekt des in Oneida Creek praktizierten Kommunismus war, dass die Männer auch die Hausarbeit machten, was dazu führte, dass die Männer Waschmaschinen und Geschirrspülmaschinen zusammenbastelten, während die Frauen im Beruf ihren Mann standen. Lobend zu erwähnen wäre auch, dass die Oneida Community großen Wert auf Bildung und Erziehung legte. Die Perfektionisten glaubten, dass die Wiederkunft Jesu, von den Christen am Tag des jüngsten Gerichtes erwartet, schon längst stattgefunden habe: nämlich im ersten Jahrhundert n. Chr. Damit war das Reich Gottes schon lange Wirklichkeit geworden. Noyes nannte die Ehe eine „selbstsüchtige Institution, in welcher die Männer ihre Eigentumsrechte über die Frauen ausübten“ und pries die Tugenden der „freien Liebe“. Zwei Regeln gab es aber in der Oneida Commuinity: 1. Zwei Partner durften nur miteinander ins Bett gehen, wenn jeder damit einverstanden war und dies auch gegenüber einem dritten bekundet hatte 2. zwei Partner konnten nicht ausschließlich nur mit ihrem bevorzugten Partner ins Bett gehen. Nur bestimmte Mitglieder der Gemeinschaft erhielten das Recht, Eltern zu werden. Diese wurden durch ein Komitee ausgewählt. Um zu verhindern, dass die jungen Mädchen nicht unkontrolliert Sex mit dem Erstbesten hatten, der ihnen gerade gefiel, sondern mit denjenigen ins Bett gingen, die ihnen zugedacht waren, erfand man die Praxis der „aufsteigenden Partnerschaft“. Sogenannte „Zentralmitglieder“ wachten über die Jungfrauen und sorgten dafür, dass sie vom „richtigen“ Partner schwanger wurden. Deshalb war es wohl wichtig, selbst Zentralmitglied zu sein oder ein gutes Verhältnis zu den Zentralmitgliedern zu haben. Bis es soweit war, dass die zur Fortpflanzung bestimmten Partner zur Zeugung schritten, wurden die jungen Frauen mit älteren Partnern und junge Männer mit älteren Frauen vereint. Um unerwünschte Schwangerschaften zu vermeiden und um den nicht zur Fortpflanzung berechtigten Partnern auch Gelegenheit zum Sex zu geben, praktizierte man „männliche Selbstbeherrschung“, die darin bestand, dass man durch Carrezza-Praktiken oder durch Coitus interruptus oder durch Petting vermied, dass die Frauen schwanger wurden. In der Praxis war das wohl so, daß das Paar sich in weihevoller Stimmung zunächst mit einem ausgedehnten Vorspiel beschäftigte, der Mann dann behutsam in die Frau eindrang, dort etwa eine Stunde lang ziemlich regungslos verharrte - während sich das Paar den angenehmen Empfindungen hingab - und sich dann wieder behutsam zurückzog ohne zum eigentlichen Zweck gekommen zu sein. Einige amerikanische Anhänger des tantrischen Buddhismus vermuten, dass die Paare eine Art Sexual-Meditation durchgeführt hätten. Vielleicht haben die Bibel-Kommunisten aber auch versucht, dabei die Bibel zu lesen. Ein Problem der „complex marriage“ war, dass die Partner nicht nur gegenüber einer Person, sondern gegenüber allen Mitgliedern die Pflicht hatten, sexuell verfügbar zu sein. Zwar legte Noyes großen Wert darauf, dass ein Geschlechtsverkehr nur stattfand, wenn beide Partner dies wünschten. In der Praxis sahen sich die Mitglieder der Kommune, vor allem wohl die attraktiveren Mitglieder der Community, vor allem wohl die Frauen, einem starken Druck ausgesetzt, ihren sämtlichen Ehemännern zur Verfügung zu stehen. Die Community war,von Seiten der Außenwelt allerlei Druck und Problemen ausgesetzt durch Politiker, die sich zu Tugendwächtern aufspielten und einen fanatischen Kreuzzug gegen die Community starteten. Daß dieses Sozialexperiment so lange existieren konnte, war zum einen den Führungsqualitäten von Noyes zuzuschreiben, aber auch der freundlichen und kultivierten Art, mit der die Perfektionisten ihren Nachbarn begegneten, die oft von ihnen recht angetan waren. Ein dritter Faktor war, dass die Kommune wirtschaftlichen Erfolg hatte und zu Wohlstand kam.
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